Ein innovatives Konzept verbessert den Nutzen von Daten nachhaltig

Frei zugängliche Daten, welche ohne Lizenz genutzt und weiterverarbeitet werden dürfen, bilden die Grundlage für datengetriebene Innovationen und schaffen dadurch einen wirtschaftlichen Nutzen. In der Schweiz stellen bereits viele öffentliche Verwaltungen Informationen als Open Data frei zugänglich im Internet zur Verfügung. Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat sich zum Ziel gesetzt, den Nutzen und die Wiederverwendbarkeit solcher Daten mit dem neuen Linked Data Service LINDAS weiter zu verbessern.

Wir sind umgeben von Daten. Daten helfen uns, bessere Entscheidungen zu treffen und spielen eine immer wichtigere Rolle in unserem Leben. Immer mehr Individuen, Organisation und Maschinen stellen ihre Daten zur Verfügung und tragen somit weiter zu einer immer grösseren Datenflut bei.

Durch die Nutzung von Daten

  • entstehen neue Geschäftsmodelle und Innovationen
  • beschleunigt sich der wissenschaftliche Fortschritt
  • wird der Onlinehandel revolutioniert.

Die Nachfrage nach mehr und besseren Daten hält ungebrochen an. Wie können die Daten sowohl für Menschen wie für Maschinen lesbar, interpretierbar und besser zugänglich gemacht werden, dass

  • Daten einfacher wiederverwendet werden können und somit der Nutzen von Daten verbessert wird?
  • die benötigten/relevanten Daten in der riesigen Datenmenge einfacher gefunden und analysiert werden können?
  • Daten aus verschiedenen Datenquellen einfacher integriert werden können?

Im Vergleich mit herkömmlichen Konzepten wie das World Wide Web geht der Linked-Data-Ansatz einen Schritt weiter in dem nicht Tabellen (wie in klassischen Datenbanksystemen) oder Dokumente (wie im World Wide Web) sondern Ressourcen (real existierende Dinge – «things» – wie Organisationen, Orte, Personen etc.) mit Metadaten beschrieben und im semantischen Web zu Wissensnetzwerken verwoben werden.

Linked Data ermöglicht …

  • die einfache Publikation von Daten, so dass diese für Mensch und Maschine abrufbar sind
  • verschiedene Datenquellen organisationsübergreifend zu verknüpfen und über eine zentrale Schnittstelle zugänglich zu machen
  • Daten für unterschiedliche Zwecke und Anwendungen wiederzuverwenden
  • die Datenanalyse selbst riesiger Datenmengen zur Lösung von komplexen Fragenstellungen
  • den Aufwand für die Wartung und den Betrieb von Schnittstellen zu senken
  • die Daten im Einklang mit den föderalen Strukturen der Schweiz zu integrieren (Verantwortung und Bewirtschaftung der Daten verbleiben bei den zuständigen Stellen).

Der Linked Data Service LINDAS wurde vom SECO im Rahmen der E-Government Strategie Schweiz entwickelt. Das Projekt ist seit Ende 2015 abgeschlossen und LINDAS befindet sich momentan in einem Pilotbetrieb.

Nachfolgend sollen der Nutzen und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Linked Data anhand von drei mit LINDAS umgesetzten Anwendungsbeispielen aufgezeigt werden.

Datenpublikation: Umweltdatenkiosk
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat den Auftrag, Umweltinformationen und Umweltdaten zu veröffentlichen und diese wenn möglich als offene, digitale Datensätze zur Verfügung zu stellen. Eine Auswahl dieser Umweltdaten wurde zusammen mit der genauen Beschreibung der Daten in LINDAS abgelegt. Damit stehen sie für die freie Weiterverwendung zur Verfügung: Mit webbasierten Tools können die Daten angeschaut, abgefragt und in unterschiedlichen Formaten heruntergeladen werden.

Bisher mussten Datenanfragen von Kunden häufig manuell bearbeitet und geliefert werden. Werden alle diese Daten in LINDAS abgelegt, können die Kunden die gewünschten Daten selbst abfragen und im gewünschten Format downloaden. Das BAFU erspart sich damit Aufwand und Kosten.

Dank LINDAS stehen die Umweltdaten auch Software-Entwicklern zur freien Verfügung. Sie können neue Anwendungen programmieren, die direkt auf ganz bestimmte BAFU-Daten zugreifen und diese anzeigen oder graphisch darstellen. LINDAS macht es auch möglich, die Umweltdaten mit anderen Daten auf einfache Weise zu verknüpfen oder zu kombinieren. Die aufwändig erhobenen Daten zum Zustand der Umwelt werden dank LINDAS vielfältiger genutzt und dadurch wertvoller.

Datenverknüpfung: Nutzung des historisierten Gemeindeverzeichnisses in einem Immobilienportal
Im historisierten Gemeindeverzeichnis des Bundesamtes für Statistik (BFS) sind alle Gemeindestände, Bezirke und Kantone und deren Mutationen seit 1960 erfasst. Das amtliche Gemeindeverzeichnis wird als definitorische Grundlage zu Gemeindeidentifikation und Gemeindenamen für zahlreiche Verwaltungstätigkeiten auf Stufe Bund, Kantone und Gemeinden sowie in der Privatwirtschaft eingesetzt.

Das historisierte Gemeindeverzeichnis wird neu auch über den Linked Data Service LINDAS zur direkten Weiterverwendung bereitgestellt: in maschinenlesbarer Form und semantisch aufbereitet (als Linked Data). Dies ermöglicht eine informatikgestützte Abfrage der Gemeindestände sowie der erfassten Mutationen im Linked Data Format und ohne zusätzlichen Aufwand eine kombinierte Abfrage mit Informationen anderer «verlinkter» Datensätze.

Immooo.me, ein neuartiges Portal für den Verkauf von Immobilien, welches in den Labs des Inkubators Swisscubator AG in Solothurn am Entstehen ist, wird als privatwirtschaftlich finanziertes Vorhaben das historisierte Gemeindeverzeichnis in seiner Applikation nutzen. Dabei werden die benötigten Gemeindeinformationen inklusive verlinkter Zusatzinformationen direkt ab dem SPARQL Endpoint von LINDAS bezogen. Dadurch entfällt das lästige und aufwändige Pflegen von Stammdaten und Listen durch den zukünftigen Betreiber und die Daten sind stets aktuell.

Datenanalyse: Ausbruchsabklärung von Tierseuchen
Das Sicherstellen der Tiergesundheit in der Schweiz gehört zu den Hauptaufgaben des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Ein Tierseuchenausbruch kann zu grossen wirtschaftlichen Verlusten führen. Ausbrüche möglichst rasch eindämmen und eine nationale Ausbreitung verhindern zu können, ist daher ein wichtiges Anliegen.

Bei einem Verdachtsfall oder Ausbruch einer Tierseuche werden Schutz- und Überwachungszonen festgelegt. In diesen Zonen ist der Tier-, Waren- und Personenverkehr zur Verhinderung der Seucheneinschleppung eingeschränkt. Diese Einschränkungen greifen natürlich erst ab dem Zeitpunkt des Verdachts oder des Nachweises einer Tierseuche. Für den Veterinärdienst CH ist es daher entscheidend, mögliche Ausbreitungswege der Krankheit in der Population nachverfolgen zu können, um die Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche (z.B. Beprobung weiterer Betriebe) gezielt einzusetzen. Für die Nachverfolgung von möglichen Infektionsketten aufgrund von Tierbewegungen, braucht es aufwändige Netzwerkanalysen.

LINDAS bietet ein grosses Potential für eine effiziente und schnelle Ausbruchsabklärung, da sich das Linked Data Format selbst sowie die Art und Weise der Speicherung in Form von Graphen optimal für Netzwerkanalysen anbietet. Mithilfe von Abfragen werden Betriebe gesucht, die in einem für den Ausbruch relevanten Zeitfenster Tiere von einem Verdachts- oder Ausbruchsbetrieb erhalten haben, oder Tiere an einen solchen Betrieb geliefert haben. Die Kontaktketten mussten bisher in aufwändiger Handarbeit analysiert und möglicherweise infizierte Betriebe gesucht werden. Der mit LINDAS umgesetzte Showcase zur Ausbruchsabklärung von Tierseuchen automatisiert diesen Prozess und liefert rasch Resultate.

Die einfache Verlinkung mit Geo-Daten von Swisstopo bringt einen weiteren Vorteil, weil durch anschauliches Kartenmaterial die Kommunikation im Ausbruchsfall erleichtert wird.

Aktuell und Ausblick
Zahlreiche weitere Datenbestände der öffentlichen Verwaltung eignen sich für die Publikation als Linked Data und schaffen so die Voraussetzungen für datengetriebene Innovationen. Die Erschliessung, Verknüpfung, Anreicherung und Publikation von Daten in diesem Format (RDF) bringt durch die Möglichkeit der direkten Weiterverwendung einen hohen Nutzen für zahlreiche Anwendungsfälle mit sich. Insbesondere für die behördenübergreifende Integration von Daten – eine Grundvoraussetzung für ein schweizweit funktionierendes e-Government – sowie für die Publikation von Open Data eignet sich das Format sehr gut und verspricht damit ein grosses Zukunftspotential.

Weitere Informationen finden sich unter www.egovernment.ch/lindas.

AUTOR/AUTORIN: Nadia Zürcher

Projektleiterin E-Government, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

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