Eine neue Podcast-Episode: Social Media und Jugendliche – Regulieren oder befähigen?

Sind die süchtig machenden Designs von TikTok und Co. oder die fehlende Selbstdisziplin der Jugendlichen das ProblemEin Gespräch mit Nikolaus Obwegeser über Verantwortung im Umgang mit digitalen Technologien. 

Es fehlt eine belastbare empirische Grundlage. Die politischen Entscheide rund um digitale Technologien und Jugendliche werden heute mehrheitlich nicht auf der Basis gesicherter Erkenntnisse gefällt. Nikolaus Obwegeser, Leiter des Instituts Digital Technology Management an der BFH Wirtschaft, und sein Team, wollen das ändern.  

Bislang lag der Fokus vor allem auf den Nutzenden oder ihrem Verhalten: Handyverbote in Schulen, Mindestalter für Social-Media oder selbstauferlegte eingeschränkte Nutzungsdauer für Apps. Zunehmend rückt aber das Design der Apps selbst in den Blick. Es stellt sich die Frage, ob suchtfördernde Designs der Plattformen – wie zum Beispiel Infinite Scrolling – reguliert werden müssten.  

Kleiner Eingriff, grosse Wirkung

Wie solche Design-Anpassungen aussehen könnten, untersucht beispielsweise das Projekt «From Mindless to Mindful Scrolling». Dort werden sogenannte Micro-Boundaries untersucht. Kleine Eingriffe wie eine 5-Sekunden-Ladeverzögerung, sollen die Nutzenden aus dem sogenannten Flow-Zustand holen, in welchem «mindless» gescrollt wird. Erste Ergebnisse zeigen: Die User*innen sind durch die Micro-Boundaries nicht frustriert und fühlen sich – anders als bei Verboten – nicht in ihrer Autonomie eingeschränkt. 

Belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse

Das HORIZON Europe Projekt «Thrive» untersucht, wie digitale Technologien das Lernen und Wohlbefinden von 14- bis 16-Jährigen beeinflussen. Digitale Technologien umfassen dabei Social-Media, Smartphones oder auch generative KI. Ziel von Thrive ist es, belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren. Thrive verfolgt dabei einen methodisch interessanten Ansatz: Es werden nicht nur Daten über Jugendliche, sondern auch Daten mit den Jugendlichen gemeinsam erfasst. Dies erfolgt durch ein digitales Reflexionstool, welches die Jugendlichen anleitet und in ihrer Selbstreflexion über die Nutzung von digitalen Technologien unterstützt. Auf dieser Basis werden im weiteren Projektverlauf konkrete Handlungsempfehlungen für Schulen, Lehrpersonen, politische Entscheidungsträger*innen aber auch für Schülerinnen und Schüler entwickelt. Diese sollen daraufhin ihren Weg in die Praxis finden.  

Das ganze Gespräch hören Sie im Podcast:

Weitere Informationen:

HORIZON Europe Projekt «Thrive» | BFH 

https://www.societybyte.swiss/en/2026/02/26/from-mindless-to-mindful-using-micro-boundaries-to-counter-excessive-social-media-use/ 

https://www.societybyte.swiss/en/2025/09/01/building-competences-for-a-responsible-digital-future-the-direct-project 

Gesetz über digitale Dienste | Gestaltung der digitalen Zukunft Europas

Creative Commons Licence

AUTHOR: Felix Glauser

Felix Glauser ist Mitglied des Redaktionsteams des Wissenschaftsmagazins SocietyByte und Host des Podcasts "Let's Talk Business". Er arbeitet in der Forschungskommunikation der BFH Wirtschaft.

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