Posmo: Ethische Revolution im Mobilitätsdatenmarkt

Den Schweizer Mobilitätsdatenmarkt revolutionieren und damit mithelfen, unser Mobilitätsverhalten besser zu verstehen und so unseren Lebensraum effektiver zu gestalten. Dieses ambitionierte Ziel hat die Genossenschaft Posmo (Positive Mobility). Posmo sammelt Mobilitätsdaten von hoher Qualität und stellt diese anonymisiert Stadtentwicklern, Forschern und öffentlichen Trägern zur Verfügung.  Das Institut IDAS der BFH Technik & Informatik unterstützt beim Aufbau des ethischen Datenmarktes.

Posmo hat gemeinsam mit der Datamap AG die Posmo One App entwickelt. Die App sammelt kontinuierlich Bewegungsdaten, welche mithilfe von Machine Learning weiterverarbeitet werden. So werden z.B. das Transportmittel erkannt und Lücken ergänzt. Es entstehen durchgängige Mobilitätssequenzen, wie das folgende Beispiel zeigt (siehe auch Screenshots): Zu Fuss von zuhause zum Velo, weiter mit dem Velo zum Supermarkt, dann Einkaufen zu Fuss und schliesslich wieder mit dem Velo nach Hause Die hohe Qualität mit kleinteiligen Bewegungen ermöglicht neue Erkenntnisse zu alters- und geschlechtsabhängen Unterschieden bei der Mobilität oder zur Nutzung von Velowegen.

Motivation: Guter Zweck & Ethikkonzept

Mobilitätsdaten sind nur verwendbar, wenn eine genügende Abdeckung erreicht wird. Aber wer gibt seine Daten freiwillig preis? Eigentlich wären viele dazu bereit, solange die Daten für einen guten Zweck verwendet werden und der Schutz der Privatsphäre sichergestellt ist.
Genau dies haben sich die Gründer von Posmo auch überlegt und einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Daten angestossen: die Datengenossenschaft. Bei einer klassischen Genossenschaft kombinieren deren Mitglieder ihre Finanzen, um z. B. eine Liegenschaft zu erwerben. Das Ziel ist nicht unbedingt die Wertsteigerung, sondern die Gestaltung eines gemeinsamen Lebensraums. Analog dazu kombinieren die Mitglieder von Posmo ihre Daten, um gemeinsam einen positiven Beitrag zur Mobilitätsentwicklung in ihrem Umfeld zu leisten und damit zur Erreichung der Klimaziele beizutragen.

Die Mobilitätsdaten werden über einen Datenmarkt angeboten. Dieser Datenmarkt stellt sicher, dass die Daten ausschliesslich im Sinn der Genossenschafter verwendet werden. Anstelle von kurzfristigen finanziellen Interessen werden Ethik, Transparenz und Kontrolle priorisiert. So haben Benutzer der Posmo One App volle Kontrolle über ihre Daten und können jederzeit bestimmen, welche Daten im Posmo Datenmarkt verwendet werden. Sie erhalten Informationen, was mit den Daten geschieht und an wen diese – natürlich nur anonymisiert – weitergegeben werden. Die Mitglieder der Genossenschaft bestimmen die ethischen Richtlinien für den Verkauf der Daten. Das Ethikkommittee (bestehend aus gewählten Mitgliedern) ist dafür zuständig, die ethischen Richtlinien durchzusetzen und muss jeden Datenverkauf genehmigen.

Der Posmo Mobilitätsdatenmarkt

Der Posmo Mobilitätsdatenmarkt wird von den Genossenschaftlern, den Datenproduzenten (Data producer, DP), mit Mobilitätsdaten befüllt. Datenkäufer (Date Buyer, DB), wie Stadtentwickler, Forscher oder öffentlichen Trägern, können Auswertungen auf den anonymisierten Daten erstellen und kaufen.
Zusätzlich stellt Posmo seine Infrastruktur für sog. datensammelnde Organisationen (Data Collecting Organisation, DO), aktuell die Stadt Zürich oder ZHAW, zur Verfügung, damit diese ihre speziellen Mobilitätsprojekte durchführen können. Die DOs profitieren dabei von den ethischen Grundsätzen von Posmo und müssen sich nicht selbst, um die Einhaltung von Datenschutz etc. kümmern.

Mobilitätsdaten sind hochsensibel: Überlegen Sie sich einmal, wie viele Personen in ihrem Haushalt, ihrer Strasse oder ihrem Quartier den gleichen Arbeitsweg haben. Aus diesem Grund muss – entspr. des Posmo Ethikkonzeptes – bei jedem Datenverkauf sichergestellt werden, dass die Anonymität gewährleistet ist und keine Rückschlüsse auf die datensammelnden Personen möglich sind. Dazu hat das IDAS im Rahmen eines Innocheque-Projekts ein erstes Konzept entwickelt, wie der Anonymitäts-Grad in einer Daten-Auswertung bestimmt und angepasst werden kann.

Ausblick

Der Posmo Mobilitätsdatenmarkt ist aktiv und wächst stetig. Aktuell laufen Projekte mit der Stadt Zürich:

  1. für ein klimafreundliches Zürich
  2. für eine gute Velo-Infrastruktur
  3. VelObserver-Projekt.

Doch es gibt noch einiges zu tun: Da der Datenmarkt auf einem neuen Geschäftsmodell beruht, sind noch viele Arbeitsschritte nicht ausgereift und werden ad-hoc bei Bedarf gestartet. Damit der Datenmarkt in Zukunft lebensfähig und rentabel ist, ist es notwendig, diese Arbeitsprozesse zu formalisieren und zu automatisieren. Ein Beispiel ist der oben erwähnte Prozess zur Anonymisierung von Daten. Die Berechnungen werden aktuell von Fall zu Fall manuell durchgeführt. Ein geplantes InnoSuisse-Projekt soll Posmo helfen, den Posmo Datenmarkt erfolgreich zu etablieren und die noch offenen Forschungsfragen zum ethischen Umgang mit Mobilitätsdaten zu beantworten. Damit wäre eine grosser Schritt getan, um ein zukunftsfähiges Schweizer Mobilitätssystem zu schaffen.

AUTOR/AUTORIN: Dominic Baumann

Dominic Baumann arbeitet als Assistent im Institute for Data Applications and Security IDAS an der Berner Fachhochschule. Er studiert Informatik in der Vertiefungsrichtung IT-Security.

AUTOR/AUTORIN: Annett Laube

Annett Laube ist Dozentin der Informatik an der BFH Technik & Informatik und leitet das Institute for Data Applications and Security (IDAS). Sie hat die fachliche Verantwortung für das Wissenschaftsmagazine SocietyByte, insbesondere für den Schwerpunkt Digital Identity, Privacy & Cybersecurity.

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