Agilität – mehr als die Summe der Teile

Agilität ist eine Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert und bestimmt nicht nur Projekte sondern beeinflusst auch Denk- und Vorgehensweisen gesamter Organisationen in allen Sektoren. Sie erfordert Offenheit für Neues von allen Beteiligten, das Bewusstsein über und die Fähigkeit bremsende Strukturen und Prozesse erkennen und auflösen zu können und auch Hierarchien aufzubrechen oder neu zu denken. Die BFH widmete ihre aktuelle Hermes-Tagung diesem Thema.

Am 15. Juni richtete das Institut Digital Technology Management zusammen mit der BFH-W Weiterbildung in enger Kooperation mit der APP Unternehmensberatung AG die HERMES Tagung 2022: Agilität aus. Über 200 Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung und Hochschulumfeld nahmen teil, die sich zum Thema Agilität und Projektmanagement weiterbilden und austauschen wollten.

Nach der offiziellen Eröffnung der Tagung von Ingrid Kissling und thematischen Einführung von Nikolaus Obwegeser wurden neue Entwicklungen im Bereich der Agilität präsentiert und diskutiert. Daraus hier eine kurze Auswahl und ein Recap für alle diejenigen, die leider nicht dabei sein konnten.

Wie die BFH Wirtschaft agil wurde, und die Rolle der Kultur

Als Startschuss in die Diskussion um Agilität zeigte Ingrid Kissling die strategische Planung und hierfür erforderliche agil umgesetzte Entwicklungen am Department Wirtschaft auf. Passend dazu folgte die Einordnung von Nikolaus Obwegeser, der über die Lernkompetenz als Kernelement der Agilität sprach. Als Teil der thematischen Einpordnung gab es eine kurze Umfrage unter den Teilnehmer*innen: Was ist die grösste Herausforderung bei der Einführung von Agilität in Organisationen? Die Antworten (insgesamt 161) waren eindeutig und unterstreichen die Rolle der Kulturentwicklung für den Erfolg bei der Einführung von Agilität (siehe Bild).

New Work – alter Wein in neuen Schläuchen?

Sabrina Schell vom Institut für New Work der BFH-W stellte die Zusammenhänge zwischen New Work und Agilität dar. Obwohl beide Konzepte schon über 50 Jahre alt sind, erhalten sie derzeit einen neuen Aufschwung. Insbesondere für die Implementierung und erfolgreiche Umsetzung braucht es: Autonomie für Mitarbeitende, eine entsprechende Haltung der Führungskräfte, Vertrauen und Zeit, denn neue Prozesse, Methoden, Werte und Normen, müssen gelernt und gelebt werden.

Agil ohne Ziel?

Über den Wert einer Strategie, auch im agilen Umfeld, sprach Dimitri Gebhard von der APP.  Er zeigte eindrücklich auf das agile Teams nicht in einem Vakuum, sondern innerhalb einer grösseren Geschäftsstrategie angesiedelt sind und es deshalb einer klaren Einbettung bedarf. In der Diskussion wurden die Herausforderung der Zusammenführung von Agilität mit traditionellen Organisationsformen von vielen TeilnehmerInnen bestätigt, ein Thema das wir auch zuletzt in einem Beitrag in der ZfO (Zeitschrift für Organisation) als häufiges Spannungsfeld identifiziert haben.

Hermes neu

Als kleines Highlight stelle Andre Bürki die demnächst erscheinende Neuauflage von Hermes in der Version Hermes 2022 vor. Auch hier lag besonderes Augenmerk auf die Zusammenführung der Vorteile agiler Methoden mit denen planbasierter Ansätze. Eine spannende Diskussion zu den Details der neuen Version und den in- und -outs der Projektorganisation, Ressourcenengpässen sowie der Umsetzungsplanung für Hermes 2022 ergab zahlreiche wertvolle Einsichten für die engagierten TeilnehmerInnen.

Soziokratie und Agile

Im Vortrag “Soziokratie Framework: Vor- und Nachteile um Projekte voranzutreiben” stellte Laetitia Henriot Arsever, Head of Technology, Strategie & Steering, Member of the Executive Board of IT, Post CH dar, wie sie durch soziokratische Strukturen in ihrem Team die Zusammenarbeit optimierte und höhere Effizienz, Wirkung und Transparenz erreichte. Die Organisationsform der Soziokratie setzt auf Selbstverantwortung und eine konsequente Selbstbestimmung von Teams. Agilität, Handeln, Interaktion und Konsent sind zentrale Aspekte des Soziokratie -Ansatzes und ermöglichen unter anderem schnelle und effektive Antworten auf veränderte Bedingungen, das Entwickeln von Engagement, sowie die Nutzung von kollektiver Intelligenz, um effektive Entscheidungen zu treffen.

Andreas Liedtke und Jennifer Hehn haben in ihrem Referat zwei der wichtigsten agilen Methoden, Design Thinking und Scrum, vorgestellt und gezeigt, wie man sie erfolgreich kombinieren kann. Beide Ansätze basieren auf offener Kommunikation, Kollaboration, Transparenz und visuellem Management. Design Thinking ist sinnvoll, wenn ein Team vor der Herausforderung steht, neue Lösungen oder Geschäftsmodelle zu entwickeln, die dann mittels Scrum iterativ umgesetzt werden können. Scrum ist ein empirisches Vorgehen mit einer definierten Struktur. Dieser Entwicklungsprozess ist besonders für komplexe Problemstellungen mit sich verändernden Anforderungen geeignet. Durch die Kombination von Design Thinking und Scrum können Lösungen vor dem Entwicklungsbeginn erarbeitet oder während der Entwicklungsphase adaptiert werden.


Präsentationen

Alle Präsentationen sind auf der Tagungswebsite zum Download verfügbar.


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Weiterführende Informationen

  1. HERMES, ein offener Standard der schweizerischen Bundesverwaltung, ist eine gesamtheitliche Managementmethode für das Durchführen von Projekten in vielen Tätigkeitsfeldern, beispielsweise für die Anpassung der Organisation, in der Informatik oder der Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten. Hier geht es zum Download Betaversion der Ausgabe Hermes Projektmanagement 2022.
  2. Informationen zum Hermes Kurs-Angebot der BFH Wirtschaft und zu agilen Projektmanagementmethoden sind hier verfügbar.
  3. Erfahrungsbericht Design Thinking & Scrum (Deutsche Bundesbank): Jakob, M., Hehn, J. (2022). Platform Design with Design Thinking and Scrum: An Experience Report from Deutsche Bundesbank. In: Hehn, J., Mendez, D., Brenner, W., Broy, M. (eds) Design Thinking for Software Engineering. Progress in IS. Springer, Cham.
  4. SCRUM GUIDE von Ken Schwaber & Jeff Sutherland, 2020
  5. SOZIOKRATIE 3.0 – Ein Praxisleitfaden von James Priest, Bernhard Bockelbrink und Liliana David, (verwendet unter CC-BY-SA).

Herzlichen Dank an Kathrin Schmidt, Joëlle Simonet und Jorge Parra für die Moderation und Führung durch die spannende Veranstaltung, sowie Olga Vallier für die tatkräftige Unterstützung bei Planung um Umsetzung.

AUTOR/AUTORIN: Nikolaus Obwegeser

Dr. Nikolaus Obwegeser leitet das Institut für Digitales Technologiemanagement an der BFH Wirtschaft. Zuvor war er Associate Director des Global Center for Digital Business Transformation an der IMD Business School in Lausanne und Associate Professor an der Universität Aarhus. Seine Forschungsschwerpunkte sind Digitale Transformation & Innovation, Agile Methoden und Tools sowie die Entwicklung von Informationssystemen.

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