“MeteoAlpen” – Ein Citizen Science Projekt zur Verifikation von Wettermodellen

Spazieren, Wandern, Touren, Bergsteigen oder eine der unzähligen anderen Aktivitäten locken uns in die Natur und in die Berge. Als Ort für sportliche Tätigkeiten, erlebnisreiche Abenteuer oder gemütliche Erholung hat die Berglandschaft der Schweiz für verschiedenste Geschmäcker etwas zu bieten. Doch mit einem Abstecher in die Natur sind immer auch die Fragen verbunden, was man anziehen soll, wie das Wetter wird und ob die Sicht gut ist.

Das Erstellen von Wetterprognosen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. In Gebieten wie dem Alpenraum, wo sich die Topographie über kleine Distanzen stark ändert und verhältnismässig wenig Messtationen vorhanden sind, sind präzise Vorhersagen besonders schwierig. Allerdings werden diese Gebiete von verschiedensten Outdoorsportler*innen hoch frequentiert. Das gezielte Sammeln von Wetterdaten in den Bergen kann eine bessere Wettervorhersagen ermöglichen und als ein Grundstein für weitere Anwendungen dienen.

Das Open Mind Institute (OMI) verfolgt in ihrem Projekt “MeteoAlpen” das Ziel, zusammen mit Outdoorsportler*innen Daten zu sammeln, um Wettermodelle in Alpenregionen zu überprüfen. Als Citizen Science Projekt wurden diverse Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Forschenden durchgeführt, um das Projekt zu Planen und Konzeptionieren.

Für die Erhebung der Wetterdaten werden bestehende Aktivitäten genutzt. Dabei involviert ist vor allem diejenige Nutzergruppe, welche auch von den Resultaten profitiert. Das dichte und gut ausgebaute Wanderwegnetz der Schweiz bietet eine Chance, das grobmaschige Netz der Messstationen stark zu verfeinern. Die hohe Auflösung der Messpunkte ermöglicht eine Verifikation von existierenden Wettermodellen, die mit traditionellen Messmethoden nicht möglich ist.

Der Nutzen von Wetterprognosen kann kaum überschätzt werden. Mit über 7 Millionen Downloads (Stand 11.2017) gehört die MeteoSchweiz-App zu den beliebtesten Applikationen der Schweiz. Für die Planung und Durchführung von Freizeitaktivitäten sind die Prognosen von Wetterdiensten unerlässlich. Doch nicht nur Outdoorsportler*innen sind daran interessiert zu wissen, wie sich das Wetter verhalten wird, beispielsweise die Landwirtschaft ist darauf angewiesen. Dabei hängt die Nützlichkeit der Prognosen vom Einsatzbereich ab, so dass für die Heuernte die Information ausreicht, ob es Regen gibt oder nicht, während für den Gemüseanbau die Niederschlagsmenge bedeutender ist.

Für die meisten Anwendungen sind die Wetter-Messstationen in der Schweiz günstig verteilt. Sie befinden sich im Wesentlichen dort, wo der grösste Teil der Bevölkerung lebt, nämlich im Flachland und in den grossen Tälern. Eine Erschwerung der Wettervorhersage in Alpenregion stammt von der Komplexität der Geländekammer. Die Gitterweite moderner Vorhersagemodelle beträgt ein Kilometer, wobei die effektive Auflösung bei rund drei bis fünf Kilometern liegt. In Bergregionen mit engen Tälern und grossen Höhenunterschieden liefern die Modelle zu wenig detaillierte Informationen.

Mit dem Projekt “Meteo Alpen” will das OMI zusammen mit der aktiven Mitarbeit von Bürgerinnen und Bürgern die Performanz aktueller Wettermodelle in Gebieten überprüfen, welche traditionell eine geringe dichte an Messdaten aufweisen. Mitmachen ist ganz einfach und für alle mit einem Smartphone ausgerüsteten Outdoorsportler*innen möglich. Das Projekt startet im Sommer 2020.


Das  Institut

Das Open Mind Institute (OMI) ist eine Non-Profit Organisation, die das Ziel verfolgt, den Austausch zwischen Wissenschaft und der Öffentlichkeit zu fördern. Mit der Überzeugung, dass Neugierde eine Triebkraft in allen Menschen ist, will das OMI eine wissenschaftlichen Denkweise fördern, welche nicht nur die einzelnen Menschen, sondern auch uns als Gesellschaft voran bringt.

Das OMI engagiert sich in den beiden Schwerpunkten Bildung und Forschung. Im Bereich Bildung liegt der Fokus bei der Vermittlung und dem Verständnis von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei orientieren sie sich an den vier “K” der Bildung:

  • Kritisches Denken,
  • Kommunikation,
  • Kooperation und
  • Kreativität.

Im Bereich Forschung wird Wert auf Austausch, Diskussion und Kollaboration gelegt und Citizen Science als Methode eingesetzt. Die gelebte Überzeugung ist, dass Wissenschaft kein Berufsfeld ist, sondern eine Art, Problemen zu begegnen.

AUTOR/AUTORIN: Manuel Meyer

Dr. Manuel Meyer promovierte an der Universität Bern in Theoretischer Physik. Er ist Mitgründer und Co-Präsident des Open Mind Institutes und zuständig für die operativen Tätigkeiten. Als aktiver Pfadileiter war ihm das Vermitteln von Wissen schon immer sehr wichtig und er setzt sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur ein.

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