Tokio als Treffpunkt der Smartcity-Forschenden

Das EU-Japan Horizon 2020 Projekt CPaaS.io organisierte im Rahmen des TRON Symposiums im Dezember in Tokio einen Workshop mit Städtevertretern aus Amsterdam, Murcia, Sapporo, Tokio, Yokosuka und Zürich. Sie verglichen die Strategien und Aktivitäten der verschiedenen Städte. Dabei stellte sich heraus, dass für alle Städte offene Daten, Plattformen und Bürgerpartizipation wichtige Elemente darstellen.

Das City Stakeholder Board des CPaaS.io Projekts wurde gegründet, um Rückmeldungen und Validierungen der Ergebnisse des Projekts aus Städten in Japan und Europa zu erhalten, sowie um den Erfahrungsaustausch zu fördern und so die reale Wirkung des Projekts zu maximieren. Dieser City Stakeholder Workshop war der dritte solche Workshops innerhalb von zwei Jahren. Im Fokus stand dabei, wie die vergangenen Jahre die Strategien der Städte beeinflusst haben, und wie die Strategien heute aussehen, insbesondere wenn es darum geht, einen Mehrwert für die Öffentlichkeit (public value) zu erzeugen.

Yuriko Koike, Gouverneurin Tokio

Smart City ist ein wichtiges Thema für alle Stakeholder-Städte von CPaaS.io. Dies wurde durch die Tatsache veranschaulicht, dass einige politisch hochrangige Personen an der Veranstaltung teilnahmen, darunter die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, und der Bürgermeister von Murcia, José Ballesta Germán. Austragungsort des City Stakeholder Workshops war erneut das TRON Symposium in Tokio, Japan. Darüber hinaus haben wir die Arbeit mit der Open and Agile Smart Cities Initative (OASC) fortgesetzt, welche letztes Jahr während der IoT Week in Bilbao, Spanien, ihren Anfang genommen hatte.

Format des Workshops

José Ballesta Germán, Bürgermeister Murcia, Spanien

Die Session am Morgen war komplett für die Gastgeberstadt Tokio reserviert, mit Referaten von Yuriko Koike, der Gouverneurin von Tokio, als Leading-ICT-City im Hinblick auf die kommenden Olympischen und Paralympischen Spiele 2020, Takahiro Matsushita (Deputy Director General, Office of the Governor for Policy Planning) über die Förderungsaktivitäten des Tokio Metropolitan Governments für selbstfahrende Fahrzeuge und Kyoko Kubara (Deputy Director General for ICT Strategy, Bureau of General Affairs) zu E-Government und Open Data. Unter anderem wurde dabei auch die Wichtigkeit eines One-Stop-Shops für alle Verfahren der Verwaltung betont, ein Thema, welches auch in Europa wichtig ist (vgl. Once-Only Prinzip in der Tallinn Deklaration oder das TOOP-Projekt, an welchem auch die BFH beteiligt ist).

Podiumsdiskussion, von links nach rechts: Martin Brynskov (OASC), Antonio Skarmeta (Murcia), Hiroyuki Yamaguchi (Yokosuka), Motoi Ichihashi (Sapporo), Benno Seiler (Zürich), Joshua Serrão (Amsterdam), Stephan Haller (BFH), Ken Sakamura (INIAD)

Am Nachmittag folgten dann nach einer Einführung durch die CpaaS.io Koordinatoren Ken Sakamura (INIAD, Toyo Universität) und Stephan Haller (BFH) die Referate der anderen Städtevertreter sowie von Martin Brynskov, dem Leiter von OASC.

Abgeschlossen wurde der Event mit einer offenen Podiumsdiskussion. Die Folien der meisten Referate sind über die Projektwebseite abrufbar.

Ergebnisse und Ausblick

Die wichtigsten Ergebnisse sind hier zusammengefasst:

Prozess- und Governance-Aspekte

  1. Ko-Kreation: Die Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner in die Entwicklung der Städte ist wichtig für die Akzeptanz und die Suche nach guten Lösungen. Offene Datenportale, Hackathons, Bürgergespräche sind mögliche und gute Wege, um die Ko-Kreation anzustossen. Im Gegensatz zu offiziellen Stadtdiensten, von denen die Bürger von Anfang an eine perfekte Dienstleistung erwarten, ist eine solche Perfektion anfänglich nicht zwingend notwendig
  2. Regulierung und Ausschreibungen: Verordnungen und der Zwang zu öffentlichen Ausschreibungsverfahren erschweren oft die Umsetzung von innovativen neuen Lösungsansätzen. Innovative Städte müssen Wege finden, um den Innovationsprozess zu deregulieren, damit der Fortschritt bei der digitalen Transformation durch traditionelle Verwaltungsprozesse nicht verhindert wird.

Technische Aspekte

  1. Identitätsmanagement & personenbezogene Daten: Voraussetzung für Smart Cities, wie es z.B. Zürich mit “Mein Konto” eingeführt hat. Personenbezogene Datenräume sind interessant, um Innovationen in den Städten zu fördern.
  2. Open Data: Open Government und Linked Open Data sind ein Muss für Smart Cities. Das Kontextinformationsmanagement fügt Echtzeit-Informationen und graph-basiertes Wissen hinzu.
  3. Datenaustausch (Data Sharing): Sicherheit im Datenaustausch ist ein wichtiger Aspekt. Bei der Datenübertragung muss das Problem des Datenbesitzes, der Datenverwaltung und der Datensicherheit angegangen werden.
  4. IoT-Geräte & Netzwerke: IoT ist oft das Herzstück einer Smart-City-Plattform. Die Stadt kann Innovationen fördern, indem sie eigene IoT-Geräte und eigene IoT-Netzwerke zur Verfügung stellt (z.B. LoRa)
  5. Wiederverwendung von APIs: Öffentliche APIs und deren Nutzung durch Entwickler sind ein wichtiger Aspekt der digitalen Transformation. Zunehmend hört man die Forderung nach standardisierten Lösungen. Diesbezüglich wichtig ist in Europa der Context Broker, einer der sogenannten Building Blocks der Connecting Europe Facility (CEF), mit der FIWARE-Kontext-API (NGSI-9/10) und der Weiterentwicklung hin zu NGSI-LD (als Teil von ETSI ISG CIM). Dies ist ein wichtiger Schritt für gemeinsame Dienste und Datenmodelle in Europa. Für Japan und den asiatisch-pazifischen Raum sollten ähnliche Standards genutzt werden.

Ausserdem sind in einem von Joshua Serrão (Amsterdam) produzierten Video die Eindrücke von Stephan Haller (BFH), Antonio Skarmeta (Universität Murcia) und Martin Brynskov festgehalten:

Auch wenn das CPaaS.io-Projekt mit diesem Workshop seinen Abschluss gefunden hat, werden die Resultate des Projektes weiter die Entwicklung von Smart Cities unterstützen. Mit dem Hauptziel begonnen, eine Cloud-basierte, IoT- und Open-Data-Plattform zur Förderung von Smart City-Innovationen zu liefern, hat das Projekt eine Vielzahl von Ergebnissen gebracht: Eine gemeinsame funktionale Architektur mit einem Werkzeugkasten aus Implementierungs¬komponenten, die in einer Vielzahl von Städten zum Einsatz kommen werden (basierend auf verbreiteten Frameworks wie FIWARE), Mechanismen für die Föderierung von Plattforminstanzen sowie für den rechtskonformen Umgang mit Personendaten (Stichwort Personal Data Stores), und unterstützende Werkzeuge für die Erstellung, den Transfer und die Adaptierung von Smart City-Anwendungen und für die Analyse und Entwicklung von Smart-City-Strategien.


Danksagung

Das Projekt CPaaS.io wird finanziert durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union (Grant Agreement n° 723076) sowie durch das NICT in Japan (Management Number 18302).

AUTOR/AUTORIN: Stephan Haller

Stephan Haller ist Professor am Institut Public Sector Transformation der BFH Wirtschaft und am BFH-Zentrum Digital Society. Er lehrt über Projektmanagement, IT-Sourcing und E-Government lehrt und forscht in den Bereichen Smart City, Open Data und Internet der Dinge.

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