Wie weit ist das EPD?

Die persönlichen Gesundheitsinfos zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Das wird zukünftig dank dem elektronischen Patientendossier möglich sein. Bis 2020 müssen alle Spitäler, Psychiatrie- und Reha-Kliniken in der Schweiz der digitalen Vernetzung angeschlossen sein – Pflegeheime und Geburtshäuser haben zwei Jahre länger Zeit. Ein Blick auf den Stand der Aufbauarbeiten.

Das elektronische Patientendossier (EPD) ist eine digitale Sammlung von persönlichen Dokumenten mit medizinischen Informationen. Damit können Patientinnen und Patienten in der Schweiz in Zukunft online auf ihre wichtigsten Unterlagen von Spitälern, Apotheken, Ärztinnen und Ärzten oder Pflegenden zugreifen und diese ihren Behandelnden zugänglich machen. Die Patientinnen und Patienten legen dabei selbst fest, welche Gesundheitsfachperson auf welche Dokumente zugreifen darf.

Höhere Behandlungsqualität

Ziel des EPD ist es, die Qualität der medizinischen Behandlung zu stärken und die Patientensicherheit zu erhöhen. So sagt es das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier, das letztes Jahr in Kraft getreten ist. Für Einrichtungen mit stationären Behandlungen gibt es eine Frist für den obligatorischen Anschluss an das EPD vor: Bis Mitte April 2020 für die Spitäler, Psychiatrie- und Reha-Kliniken, bis Mitte April 2022 für Pflegeheime und Geburtshäuser. Im ambulanten Bereich gibt es keine vorgeschriebenen Fristen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Arztpraxen, Apotheken oder Spitex-Dienste sich schrittweise anschliessen werden. Für die Bevölkerung ist die Teilnahme am EPD ebenfalls freiwillig.

Erste Pilotprojekte laufen

Die Arbeiten zur Einführung des EPD laufen in allen Regionen mal mehr, mal weniger intensiv. Die zukünftigen Anbieter des EPD – die sogenannten «Gemeinschaften» und «Stammgemeinschaften» – sind Zusammenschlüsse von Gesundheitsfachpersonen und ihren Einrichtungen, beispielsweise ein Spital oder eine Apotheke. Sie müssen die zahlreichen technischen und organisatorischen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, beispielsweise zu Datensicherheit und Datenschutz, um als offizielle EPD-Anbieter zertifiziert werden zu können. Momentan zeichnet sich ein knappes Dutzend EPD-Anbieter ab, wobei die überwiegende Mehrheit kantonal oder überkantonal orientiert sind. Während einige Anbieter sich noch kaum öffentlich positionieren, können bei anderen bereits elektronische Dossiers eröffnet werden. So gab der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger Mitte August den Startschuss für das Pilotprojekt „myEPD“ am Universitätsspital Basel.

Ab sofort Schritt für Schritt zum EPD

Noch ist jedoch keiner der EPD-Anbieter zertifiziert. Die Voraussetzungen dafür werden nicht vor Ende 2019 erfüllt sein. Denn die Umsetzung des EPD ist aufgrund der dezentralen Struktur in ihrer Komplexität weltweit einmalig. Einige der technischen Konzepte müssen zunächst an Testanlässen wie dem «EPD-Projectathon» nachweisbar funktionieren, bevor der Bund die rechtlichen Grundlagen entsprechend anpassen wird. Dennoch sind die Akteure im Gesundheitswesen bereits heute gefordert, die Vorbereitungsarbeiten für die Einführungsarbeiten voranzutreiben. Die Einführung des EPD ist nämlich nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische Herausforderung. Spitäler, Heime und andere Gesundheitseinrichtungen können bereits jetzt mit den Anschlussarbeiten beginnen:

  • Beispielsweise kann der Kontakt mit einer potenziellen (Stamm-)Gemeinschaft hergestellt werden.
  • Bisherige Papierprozesse können digitalisiert und dabei von Beginn an die für das EPD geforderten Standards benutzt werden.
  • Mit den IT-Anbietern der hauseigenen Software kann über die Anbindung an das EPD diskutiert werden.
  • Oder die Belegschaft kann sich mit den kostenlos von eHealth Suisse zur Verfügung gestellten Informationsmitteln auf das EPD vorbereiten.

Das EPD als Kulturprojekt

Die Einführung des EPD könnte im Gesundheitswesen den Digitalisierungsschub bewirken, den es für eine zeitgemässe koordinierte Versorgung braucht. Denn im Vergleich zu anderen Dienstleistungsbereichen digitalisiert sich das Schweizer Gesundheitswesen sehr langsam: Noch verschickt ein Spital den Austrittsbericht eines Patienten in über 60 von 100 Fällen per Fax oder Post. Doch das EPD ist weit mehr als ein IT-Projekt. Die digitale Vernetzung hat das Potenzial, die Zusammenarbeit der Gesundheitsfachpersonen und die Rolle ihrer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verändern und verbessern. Vor diesem Hintergrund ist die EPD-Einführung zwar auch ein komplexes Informatikvorhaben – vor allem ist es aber ein Kulturprojekt zur Veränderung des Umgangs mit Patienten und ihren Unterlagen.


Referenzen

AUTOR/AUTORIN: Annatina Foppa

Annatina Foppa arbeitet im Ressort «Information & Befähigung» von eHealth Suisse, der Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen.

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