Ohne Architektur kann es kein nachhaltiges Projekt-Management geben

Im Projekt-Management stehen die Projekt-Organisation und die Organisation der Abläufe im Vordergrund. Abgrenzung und Abstimmung mit anderen Lösungen und Vorhaben sind für einen Erfolg ebenso wesentlich; hier können Architektur-Methoden nachhaltig unterstützen.

Einleitung
Im klassischen Projekt-Management gehört es zur Initialisierungsphase eines Projekts, dass der Kontext evaluiert und Anforderungen erhoben werden. Der Fokus auf einzelne Projekte ist insbesondere in grossen Organisationen wenig nachhaltig, einerseits, weil gewisse Grundlagen immer wieder abgeklärt werden, andererseits, weil kaum projektübergreifend gemeinsame Anforderungen erkannt werden. Dadurch entstehen Insellösungen, die gerade so weit reichen, wie das nähere Umfeld des Projekts einbezogen wurde.
Um die verschiedenen Projekte und die dabei entstehenden Anwendungen in einem Unternehmen aufeinander abzustimmen, sind Methoden der Unternehmensarchitektur (um Missverständnisse zu vermeiden oft mit „Enterprise Architecture“ bezeichnet) geeignet. Damit können Anforderungen für ein Portfolio von Lösungen projekt-übergreifend bearbeitet werden, sodass die jeweiligen Realisierungen für sich fokussiert und Interaktionen zwischen Anwendungen gut identifiziert und spezifiziert sind. Damit leisten Architektur-Methoden einen essentiellen Beitrag für eine nachhaltige Steuerung von Projekten und für die Realisierung übergreifender, langlebiger Lösungen.

Wozu Architektur?
Die IT-Architektur befasst sich mit Software-Systemen, die aus verschiedenen miteinander kommunizierenden Software-Komponenten bestehen. Diese Umgebungen werden ständig verändert und neuen Bedürfnissen, Anforderungen und auch Technologien angepasst. Methoden der IT-Architektur unterstützen diese Veränderungen, dabei dienen sie den Strategien des Unternehmens und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele.
Eine IT-Architektur beschreibt die grundsätzliche Organisation eines IT-Systems, sie definiert, spezifiziert und beschreibt das IT-System mit seinen Komponenten sowie deren Beziehungen und Abhängigkeiten. Architektur-Entscheide bezüglich Funktionalität, Systeme und Produkte sind ein wichtiger Aspekt, weil einmal getroffene Entscheide später nicht mehr leicht geändert werden können, ja oft praktisch unveränderbar sind. Weiter sind Anforderungen und Einschränkungen zu berücksichtigen, womit Aspekte wie Machbarkeit, Kosten und Risiken ebenfalls im Rahmen der Architektur betrachtet werden.
Hauptaufgabe des Architekten ist Business und IT in Einklang zu bringen und die unterschiedlichen Sichten dieser beiden Seiten zu überbrücken. Dabei helfen Methoden der IT-Architektur wesentlich, die Komplexität der Gegebenheiten durch Abstraktion und Eliminieren von Details zu reduzieren. Das führt zu Darstellungen und Sichten, die besser diskutierbar sind und damit zu Lösungsansätzen, die die Komplexität adäquat abbilden.
In Kürze trägt die IT-Architektur dazu bei, dass die richtigen Dinge adäquat und korrekt ausgeführt werden (in amerikanischer Kürze: „doing the right things right“; diese Aussage ist eine Variante von Peter Druckers „Efficiency is doing things right; effectiveness is doing the right things.“).

Ohne Scope geht es nicht!
Ein wesentlicher Aspekt, um die „richtigen Dinge“ zu tun ist die Abgrenzung der einzelnen Anwendungen und damit insbesondere der Projekte. Die IT-Architektur bestimmt für jede Anwendung und jedes System den Scope zusammen mit dem Kontext. Mit dem Scope wird definiert, was von einem System, einer Anwendung und damit von einem Projekt gelöst wird und was nicht. Dies schliesst ein, dass die Interaktionen mit den benachbarten Systemen, Anwendungen etc. identifiziert und beschreiben werden. Dabei ist eine Portfolio-Sicht massgebend, die anzeigt, wo welche Anforderungen erfüllt werden.
Erfahrungen vieler Projekte zeigen, dass ohne eine klare Bestimmung des Scope und ohne entsprechende Identifikation der Schnittstellen zu benachbarten Lösungen und damit Projekte rasch in die Irre gehen können. Es genügt dabei nicht, in einer Liste die Inhalte aufzuzeigen, es muss entsprechend sichtbar gemacht werden. Eine grafische Darstellung, von verschiedenen Architektur-Methoden als «Kontext-Diagramm» bezeichnet, illustriert solche Zusammenhänge.
Aus der Perspektive der Unternehmensarchitektur wird entschieden, welches System bzw. welches Projekt entsprechende Aufgaben übernimmt. So kann das Management eines Portfolios von Informatik-Lösungen auf eine nachhaltige Grundlage gestellt werden. Die Steuerung über die Unternehmensarchitektur fokussiert die einzelnen Vorhaben und sorgt für eine nachhaltige Abstimmung der Lösungen. Damit können Architektur-Methoden aktiv zu einer adäquaten Definition des Scopes der einzelnen Vorhaben beitragen.

Architektur-Übersichten
Im Rahmen der IT-Architektur werden verschiedene Sichten eingesetzt (so wie ein Gebäude auch mit verschiedenen Ansichten dargestellt wird). Die Darstellung des Scope und des Kontexts ist somit eine Sicht, sie wird ergänzt durch eine Übersicht der verschiedenen Komponenten einer Anwendung bzw. eines Systems. Dabei wird u.a. auch erkannt, wenn verschiedenen Lösungen dieselbe Grundlage (z.B. Kommunikation oder Datenbank) verwenden.
Eine Architektur-Übersicht zeigt die innere Struktur einer Lösung, einer Anwendung bzw. eines Systems auf und benennt die wesentlichen Bausteine bzw. Komponenten. Eine solche Übersicht zeigt auch die wesentlichen Schnittstellen zu anderen Anwendungen auf. Eine grafische Darstellung, von verschiedenen Architektur-Methoden als «Architektur-Übersicht-Diagramm» bezeichnet, illustriert solche Zusammenhänge.
Aus einer Unternehmenssicht ist dabei zentral, dass damit Insel-Lösungen verhindert werden und keine Doppelspurigkeiten aufgebaut werden. Eine systematische Darstellung der Architektur-Übersichten verhindert, dass Anwendungsteile mehrfach realisiert werden oder Basis-Software mehrfach beschafft wird; dabei hilft wiederum eine Portfolio-Perspektive.
Heutige Technologien und eine Service-Orientierte Architektur (SOA) unterstützen Interaktionen zwischen Anwendungen und Systemen wesentlich. Dabei stellen Services einer Anwendung deren Information und Funktionalität einem grösseren Kreis von Nutzern zur Verfügung. Auf der einen Seite werden Services mit entsprechenden Schnittstellen (Web-Services, APIs) angeboten, die von einer anderen Seite aufgerufen werden können. So können viele Nutzer auf Services eines Anbieters zugreifen. Architektur-Methoden unterstützen den Aufbau und das Management eines Services-Portfolios.

Schlussfolgerungen
IT-Architektur kann Projekte und Entwicklungsprogramme nachhaltig bei der Steuerung der Vorhaben unterstützen. Sie liefert Inhalte und stellt Zusammenhänge dar. Deshalb sollten Projekte nicht ohne eine Architektur-Perspektive unternommen werden.

AUTOR/AUTORIN: Hans-Peter Hoidn

Hans-Peter Hoidn, Dr. sc. math. ETH ist OpenGroup zertifizierter „Distinguished IT Architect“, er unterstützt Projekte als Lead Architect und unterrichtet „Enterprise IT Architectures“ an der Universität Zürich.

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