Smartcities sind Realität, die digitale Verwaltung manchmal auch

Am Swiss eGovernment Forum stellten die Referierenden nicht nur Visionen und Strategien für die digitale Transformation vor, sondern auch Projekte, bei denen sich die Verwaltung beispielhaft modernisiert.

Vom 6. bis 7. März fand das Swiss eGovernment Forum auf dem Gelände der Bernexpo statt. Die Veranstaltung ist Teil der Infosocietydays.

Am ersten Tag des Swiss eGovernment Forum beleuchteten die Referierenden die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung aus der Perspektive Vision und Strategie. Danny Bürkli, Programmdirektor am Centre for Public Impact, machte auf eine sprachliche Besonderheit aufmerksam, die gleichzeitig eine zentrale Frage des Tages beschreibt: Während im deutschen Sprachgebrauch von der Digitalisierung die Rede ist, spricht man im Englischen, ohne dasselbe Wort zu haben, von Innovation. Der Referent unterschied zwischen dem Digitalisieren von bestehenden Prozessen und der Nutzung von digitalen Technologien für tiefgreifende Veränderungen in der öffentlichen Verwaltung. Bürkli warf die Frage auf, wie die Beteiligten die Weichen für Innovation in der öffentlichen Verwaltung stellen und die Ressourcen nicht für die Digitalisierung von einzelnen Prozessen verwenden.

Peter Delfosse, der CEO der Axion Active Holding, bot Lessons Learned aus den Versuchen von grossen Dienstleistern, die digitale Transformation zu realisieren. Nicht die grossen Portale, sondern Assistenten, die situativ die Kunden begleiten und ein Denken in Ökosystemen, also dem gesamthaften Kontext sind gefragt. Damit könne die Wiederverwendung von Elementen und Automatisierung von Prozessen realisiert werden. Neben der Frage nach dem Wie beantwortete Delfoss auch die Frage nach den wichtigsten Treibern der Transformation: Verständnis und Unterstützung der Exekutive seien im E-Government demnach zentral für den Erfolg.

Diese Einschätzung komplettierte der Stadtpräsident von Winterthur, Michael Künzle, mit seinen Erfahrungen und seiner Analyse der Treiber und Hindernisse für die Umsetzung einer Smartcities-Strategie in Winterthur. Für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten müsse eine verantwortliche Stelle als treibende Kraft mit den ausführenden Departementen gut zusammenspielen. Eine ähnliche Einschätzung trug auch Stephan Arnold vor, Leiter des Amtes für Informatik und Organisation des Kantons Zug, der die Neuausrichtung des E-Governments in seinem Kanton beschrieb, welche eine Stärkung des Top-Level Supports für E-Government-Aktivitäten bewirken konnte.

Referate zum Spannungsfeld für die Umsetzung von Digitalisierung für Gemeinden, zum Versuch einer neuen Perspektive auf das Konzept der vernetzten Verwaltung und zu einer Typologisierung der Förderer und Bremser von Big Data unter den Amtsleitern ergänzten die zahlreichen Perspektiven auf die strategischen Voraussetzungen, um die Transformation der Verwaltung über die simple Digitalisierung von bestehenden Prozessen hinaus zu erreichen.

Nach den strategischen und visionären Fragen des ersten Tages, fokussierten die Referierenden am zweiten Tag auf praktische Erfahrungen und erfolgreiche Anwendungen. Zudem zog sich das Thema Daten durch fast alle Beiträge. So stellt der Städteverband eine Datenaustauschplattform zur Verfügung, die heutige Städten und Gemeinden auf dem Weg hin zu einer Smartcity führen soll. Renate Amstutz, Präsidentin des Städteverbandes sagte, «die Digitalisierung ist längst Realität in den Smartcities von heute». Sie berichtete über das Beispiel der deutschen Kleinstadt Löwenstedt. Dort können die EinwohnerInnen die Strassenlaternen über eine App auf ihren Handys einschalten. In der Schweiz seien Zürich und St. Gallen Vorreiter bei den Smartcities, insgesamt aber könnten sich gemäss einer Studie des Städteverbandes rund 70 Prozent der Schweizer Städte als smart bezeichnen. Für Amstutz ist die Digitalisierung nicht nur ein technischer Prozess. Vielmehr ermöglichen Apps neue Möglichkeiten für Begegnungen, «denn trotz allem Wandel bleibt die Stadt ein Lebensraum für Menschen.»

Das Mittagessen als ideale Gelegenheit für Networking

Für Tom Kleiber, Digitalspezialist und früherer Microsoft-Manager, ist klar: «Digitalisierung muss Chefsache sein», damit die Digitalisierung in der Verwaltung und in Unternehmen vorankommt. Eine der zentralen Fähigkeiten in der mittleren bis oberen Führungsebene müsse das Verständnis von Datenwirtschaft sein. Auch andere ReferentInnen betonten, dass E-Government nur erfolgreich ist, wenn es zur Chefsache gemacht wird. Sie forderten ein klares Commitment der höchsten Führungsebene. Schade nur, dass unter den Teilnehmenden, aus dieser Zielgruppe kaum Vertreter anwesend waren.

Geradezu zum Hype geworden ist die Sicherheitstechnologie Blockchain, die sowohl in den Solution-Präsentationen besprochen als auch in Keynotes wie dem von Stefan Klauser präsentiert wurden. Damit die BürgerInnen politisch mitgestalten können, brauche es eine leicht bedienbare und sichere Plattform, sagt der Projektleiter Computational Social Science an der ETH Zürich. Für Klauser ist Blockchain das Instrument der Wahl, denn «das ist quasi eine Vertrauensmaschine», sagte er in Anlehnung an die Titelgeschichte des Economist. Blockchain biete gleichzeitig Transparenz und Privatsphäre und ermögliche damit erst die Möglichkeiten einer digitalen Demokratie. Die BürgerInnen können damit etwa auf elektronischem Weg sicher wählen und abstimmen. Über die Kryptowährungen Token und Coins biete man den Menschen zudem Anreize, sich vermehrt an eDemocracy-Plattformen zu beteiligen, glaubt Klauser.

Auch die digitale Identität wurde von einigen Referierenden aufgegriffen. So testet der Kanton Schaffhausen in einem Pilotversuch mit 250 Personen die eID+. Gerrit Goudsmit, Geschäftsführer des IT-Unternehmens KSD von Kanton und Stadt Schaffhausen, stellte die E-ID vor, bei der sich die NutzerInnen via App auf einer zentralen Serviceplattform registrieren und anschliessend verschiedene Behördengänge digital erledigen können, etwa einen Heimatschein bestellen. Offenbar schneidet die eID+ bei den Testpersonen positiv ab: die begleitende Studie der ZHAW belegt, dass rund 90 Prozent die E-ID gefällt. Nach der Pilotphase will Schaffhausen 40 weitere Dienstleistungen hinzufügen.

Auch der Kanton Uri hat bereits einige Dienstleistungen digitalisiert. Markus Frösch, Leiter eGovernment und Organisationsentwicklung berichtete welche Hürden er mit diesen zumeist komplexen Prozessen überwinden musste. Inzwischen werden Baubewilligungen und das Bussenwesen digital bearbeitet, was neben Papier auch Arbeitsschritte und Ressourcen einspart.

 

AUTOR/AUTORIN: Anne-Careen Stoltze

Anne-Careen Stoltze ist Redaktorin des Wissenschaftsmagazins SocietyByte. Sie arbeitet in der Kommunikation der BFH Wirtschaft, sie ist Journalistin und Geologin.

AUTOR/AUTORIN: Jérôme Brugger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, E-Government-Institut, Departement Wirtschaft, Berner Fachhochschule

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Vom 6. bis 7. März fand das Swiss eGovernment Forum auf dem Gelände der Bernexpo statt. Die Veranstaltung ist Teil der Infosocietydays.

Am ersten Tag des Swiss eGovernment Forum beleuchteten die Referierenden die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung aus der Perspektive Vision und Strategie. Danny Bürkli, Programmdirektor am Centre for Public Impact, machte auf eine sprachliche Besonderheit aufmerksam, die gleichzeitig eine zentrale Frage des Tages beschreibt: Während im deutschen Sprachgebrauch von der Digitalisierung die Rede ist, spricht man im Englischen, ohne dasselbe Wort zu haben, von Innovation. Der Referent unterschied zwischen dem Digitalisieren von bestehenden Prozessen und der Nutzung von digitalen Technologien für tiefgreifende Veränderungen in der öffentlichen Verwaltung. Bürkli warf die Frage auf, wie die Beteiligten die Weichen für Innovation in der öffentlichen Verwaltung stellen und die Ressourcen nicht für die Digitalisierung von einzelnen Prozessen verwenden.

Peter Delfosse, der CEO der Axion Active Holding, bot Lessons Learned aus den Versuchen von grossen Dienstleistern, die digitale Transformation zu realisieren. Nicht die grossen Portale, sondern Assistenten, die situativ die Kunden begleiten und ein Denken in Ökosystemen, also dem gesamthaften Kontext sind gefragt. Damit könne die Wiederverwendung von Elementen und Automatisierung von Prozessen realisiert werden. Neben der Frage nach dem Wie beantwortete Delfoss auch die Frage nach den wichtigsten Treibern der Transformation: Verständnis und Unterstützung der Exekutive seien im E-Government demnach zentral für den Erfolg.

Diese Einschätzung komplettierte der Stadtpräsident von Winterthur, Michael Künzle, mit seinen Erfahrungen und seiner Analyse der Treiber und Hindernisse für die Umsetzung einer Smartcities-Strategie in Winterthur. Für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten müsse eine verantwortliche Stelle als treibende Kraft mit den ausführenden Departementen gut zusammenspielen. Eine ähnliche Einschätzung trug auch Stephan Arnold vor, Leiter des Amtes für Informatik und Organisation des Kantons Zug, der die Neuausrichtung des E-Governments in seinem Kanton beschrieb, welche eine Stärkung des Top-Level Supports für E-Government-Aktivitäten bewirken konnte.

Referate zum Spannungsfeld für die Umsetzung von Digitalisierung für Gemeinden, zum Versuch einer neuen Perspektive auf das Konzept der vernetzten Verwaltung und zu einer Typologisierung der Förderer und Bremser von Big Data unter den Amtsleitern ergänzten die zahlreichen Perspektiven auf die strategischen Voraussetzungen, um die Transformation der Verwaltung über die simple Digitalisierung von bestehenden Prozessen hinaus zu erreichen.

Nach den strategischen und visionären Fragen des ersten Tages, fokussierten die Referierenden am zweiten Tag auf praktische Erfahrungen und erfolgreiche Anwendungen. Zudem zog sich das Thema Daten durch fast alle Beiträge. So stellt der Städteverband eine Datenaustauschplattform zur Verfügung, die heutige Städten und Gemeinden auf dem Weg hin zu einer Smartcity führen soll. Renate Amstutz, Präsidentin des Städteverbandes sagte, «die Digitalisierung ist längst Realität in den Smartcities von heute». Sie berichtete über das Beispiel der deutschen Kleinstadt Löwenstedt. Dort können die EinwohnerInnen die Strassenlaternen über eine App auf ihren Handys einschalten. In der Schweiz seien Zürich und St. Gallen Vorreiter bei den Smartcities, insgesamt aber könnten sich gemäss einer Studie des Städteverbandes rund 70 Prozent der Schweizer Städte als smart bezeichnen. Für Amstutz ist die Digitalisierung nicht nur ein technischer Prozess. Vielmehr ermöglichen Apps neue Möglichkeiten für Begegnungen, «denn trotz allem Wandel bleibt die Stadt ein Lebensraum für Menschen.»

Das Mittagessen als ideale Gelegenheit für Networking

Für Tom Kleiber, Digitalspezialist und früherer Microsoft-Manager, ist klar: «Digitalisierung muss Chefsache sein», damit die Digitalisierung in der Verwaltung und in Unternehmen vorankommt. Eine der zentralen Fähigkeiten in der mittleren bis oberen Führungsebene müsse das Verständnis von Datenwirtschaft sein. Auch andere ReferentInnen betonten, dass E-Government nur erfolgreich ist, wenn es zur Chefsache gemacht wird. Sie forderten ein klares Commitment der höchsten Führungsebene. Schade nur, dass unter den Teilnehmenden, aus dieser Zielgruppe kaum Vertreter anwesend waren.

Geradezu zum Hype geworden ist die Sicherheitstechnologie Blockchain, die sowohl in den Solution-Präsentationen besprochen als auch in Keynotes wie dem von Stefan Klauser präsentiert wurden. Damit die BürgerInnen politisch mitgestalten können, brauche es eine leicht bedienbare und sichere Plattform, sagt der Projektleiter Computational Social Science an der ETH Zürich. Für Klauser ist Blockchain das Instrument der Wahl, denn «das ist quasi eine Vertrauensmaschine», sagte er in Anlehnung an die Titelgeschichte des Economist. Blockchain biete gleichzeitig Transparenz und Privatsphäre und ermögliche damit erst die Möglichkeiten einer digitalen Demokratie. Die BürgerInnen können damit etwa auf elektronischem Weg sicher wählen und abstimmen. Über die Kryptowährungen Token und Coins biete man den Menschen zudem Anreize, sich vermehrt an eDemocracy-Plattformen zu beteiligen, glaubt Klauser.

Auch die digitale Identität wurde von einigen Referierenden aufgegriffen. So testet der Kanton Schaffhausen in einem Pilotversuch mit 250 Personen die eID+. Gerrit Goudsmit, Geschäftsführer des IT-Unternehmens KSD von Kanton und Stadt Schaffhausen, stellte die E-ID vor, bei der sich die NutzerInnen via App auf einer zentralen Serviceplattform registrieren und anschliessend verschiedene Behördengänge digital erledigen können, etwa einen Heimatschein bestellen. Offenbar schneidet die eID+ bei den Testpersonen positiv ab: die begleitende Studie der ZHAW belegt, dass rund 90 Prozent die E-ID gefällt. Nach der Pilotphase will Schaffhausen 40 weitere Dienstleistungen hinzufügen.

Auch der Kanton Uri hat bereits einige Dienstleistungen digitalisiert. Markus Frösch, Leiter eGovernment und Organisationsentwicklung berichtete welche Hürden er mit diesen zumeist komplexen Prozessen überwinden musste. Inzwischen werden Baubewilligungen und das Bussenwesen digital bearbeitet, was neben Papier auch Arbeitsschritte und Ressourcen einspart.

 

AUTOR/AUTORIN: Anne-Careen Stoltze

Anne-Careen Stoltze ist Redaktorin des Wissenschaftsmagazins SocietyByte. Sie arbeitet in der Kommunikation der BFH Wirtschaft, sie ist Journalistin und Geologin.

AUTOR/AUTORIN: Jérôme Brugger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, E-Government-Institut, Departement Wirtschaft, Berner Fachhochschule

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