E-Health lehren – aber wie?

Der Einsatz elektronischer Informations- und Kommunikationstechnologien prägt unseren Alltag in allen Lebensbereichen. So ist es nicht verwunderlich, dass ihm gerade im Gesundheitswesen eine zentrale und wachsende Bedeutung zukommt. Dass die zukünftigen Gesundheitsfachpersonen den neuen, sich in stetem Wandel befindenden Anforderungen gewachsen sein müssen, wird kaum mehr in Frage gestellt. In diesem Zusammenhang wächst die Erkenntnis, dass die Konzeption und Umsetzung neuer Lehrangebote zu dieser anspruchsvollen Thematik interprofessionell angegangen werden sollte.

Herausforderungen im Gesundheitswesen
Verbesserte Lebensbedingungen ermöglichen es, dass Menschen älter werden. Gleichzeitig ist eine stetige Zunahme vor allem chronischer Krankheitsbilder zu verzeichnen. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt eröffnen sich neue therapeutische Möglichkeiten. Die Ansprüche an die Gesundheitsfachpersonen wachsen. Ökonomische Zwänge erfordern, dass in kurzer Zeit optimale Ergebnisse erzielt werden. Neue digitale Möglichkeiten verändern den Praxisalltag sowie das Verhalten und die Erwartungen aller Beteiligten: Patientinnen und Patienten, bzw. Klientinnen und Klienten informieren und vernetzen sich und sind somit anspruchsvollere Partner im Prozess der Gesundheitsversorgung. Mit zunehmendem Alter öffnet sich jedoch die Schere in Bezug auf den sozioökonomischen Status. Viele Menschen sind von der Digitalisierung überfordert. Die Alltagspraxis wird hektischer, intensiver, komplexer und der Umgang mit Schnittstellen zwischen den verschiedenen Berufen wird zunehmend erfolgskritisch. Die Notwendigkeit eines gut funktionierenden interprofessionellen Zusammenspiels wird zum unabdingbaren Erfordernis. Interprofessionelle Kompetenzen sind eine Summe verschiedener Fähigkeiten, Wissen und Fertigkeiten. Dazu gehört auch ein reflektierter und gleichzeitig selbstverständlicher Umgang mit digitalen Medien und Hilfsmitteln. Eine systematische Herangehensweise in einem interprofessionellen Rahmen ist die beste Voraussetzung, damit die Studierenden im späteren Berufsleben in komplexen Situationen gemeinsam zur besten Lösung derer Bewältigung finden.

Kompetenzen zur sinnvollen Nutzung digitaler Möglichkeiten, fit für E-Health
Die Relevanz der Thematik E-Health hat im schweizerischen Gesundheitswesen in den letzten Jahren beständig zugenommen und wird in Zukunft voraussichtlich weiter wachsen. Elektronische Informations- und Kommunikationsmittel haben in der interprofessionellen Zusammenarbeit eine hohe Bedeutung und können mithelfen, die Versorgungsqualität zu verbessern. Eine zeitnahe Weiterleitung relevanter Informationen, eine Aktualisierung des Patientendossiers im interprofessionellen Team, eine vollständige, klare und systematische Dokumentation dank programmierten Kriterien sind Voraussetzungen dazu, die mit modernen Technologien besser gewährleistet werden können.

Im Zusammenhang mit dem Projekt «Aktualisierung der Abschlusskompetenzen» für die entsprechende Verordnung des Gesundheitsberufegesetzes» (Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit an die Berufskonferenzen FH), haben die Verhandlungen zum Umgang mit der Digitalisierung im weitesten Sinn in den zuständigen Gremien einen prominenten Stellenwert. Die Gesundheitsfachpersonen aus allen Professionen müssen in der Lage sein, diese technischen Hilfsmittel effizient und effektiv zu nutzen. Sie sollten sich mit den aktuellen Entwicklungen in der Thematik E-Health auseinandersetzen und Schlussfolgerungen ziehen auf ihre eigene Berufspraxis, auf die Zusammenarbeit mit den Patientinnen und Patienten und auf diejenige mit anderen Gesundheitsfachpersonen. Digitale Daten und Informationen müssen sie in Bezug auf deren Qualität beurteilen und im interprofessionellen Setting zur Unterstützung von Transparenz, Versorgungsqualität und Effizienz gezielt einsetzen. Ebenso müssen sie die rechtlichen und ethischen Grundsätze zu Datenschutz und Datensicherheit kennen.

Aber wie? Konsequenzen für die Lehre
Kaum ein Thema eignet sich zur Planung und Umsetzung einer Lehrveranstaltung im E-Learning-Format so gut, wie die Vermittlung digitaler Kompetenzen. Dies, weil Digitalisierung als inhaltlicher Schwerpunkt mit digitalen Methoden vermittelt werden kann. E-Learning Strategien vieler Hochschulen fordern in verschiedenen relevanten Dimensionen explizit eine weitere Ausbreitung, bessere Vernetzung und nachhaltige Förderung von E-Learning, vermehrt auch Digital-Learning genannt,. Erfahrungen mit virtuellen Lehrangeboten werden überall dort gesammelt, wo didaktisch ein Mehrwert entsteht (BFH Strategie E-Learning, 2014). Ein solcher wird beispielsweise generiert durch den Einsatz eines virtuellen elektronischen Patientendossiers (EPD) im Unterricht praktischer Fertigkeiten, auch Skills-Training genannt. In einem solchen Setting können Patientenbeispiele mit unterschiedlichen Komplexitätsgraden jeweils entsprechend den Anforderungen des Studienjahrs entworfen werden (Rapphold & Kraft, 2017). Der Ansatz, dem die Verwendung des EPD in der Lehre folgt nennt sich Simulation. Durch Simulation kann eine Situation in ihrer Umgebung realitätsnah imitiert werden.

Grundsätzlich orientiert sich die Wahl der didaktischen Methode an den jeweiligen Zielsetzungen einer Lehreinheit. «Digital natives» sind nicht automatisch «Digital cracks». So kann es mitunter sinnvoll sein Bausteine und grundlegende Zusammenhänge mit traditionellen Lehr- und Lernformen aufzuzeigen. Das gesamte Spektrum pädagogisch didaktischer Möglichkeiten steht zur Verfügung. Dozierende wägen ab, was für die jeweilige Zielerreichung sinnvoll ist. Ein stimmiger Einsatz von Skype, Apps, Moocs in Webinars, virtuellen Kursräumen oder in Präsenzveranstaltungen erfordert eine kontinuierliche Weiterbildung auch für den Lehrkörper ist jedoch geeignet für die interprofessionelle Vermittlung digitaler Kompetenzen. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Berufsangehörigen ist oft dadurch erschwert, dass jede Profession ihre eigene Sprache spricht und gleiche oder ähnliche Begrifflichkeiten eine unterschiedliche Bedeutung haben. Digitale Kommunikationstechnologien können dazu beitragen eine gemeinsame Sprache zu finden.

Angesichts der Tatsache, dass alle Gesundheitsfachpersonen in allen Arbeitsfeldern von der zunehmenden Digitalisierung genuin betroffen sind, ist es naheliegend, die erforderlichen Kompetenzen gemeinsam und interprofessionell zu erwerben. Die spezifischen pädagogisch didaktischen Hilfsmittel sind vor allem im E-Learning Bereich angesiedelt. Um diese Methodenvielfalt sinnvoll anwenden zu können, wird auch den Verantwortlichen der Lehre eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit und Weiterbildung in der Thematik empfohlen.


Literatur

Suisse (2017, 20. September). Glossar. Abgerufen von http://www.e-health-suisse.ch/header/glossar.html

Fachhochschulleitung BFH (2014, 17. Dezember). E-learning Strategie 2015-2018 [Strategie]. Abgerufen von https://www.bfh.ch/fileadmin/user_upload/BFH_ELStrategie_2015-2018.pdf

Rapphold, B.D., & Kraft, E. (2017). Fit werden für das elektronische Patientendossier mit Familie Aebersold. Frequenz, 01, 20-21. Abgerufen von https://www.gesundheit.bfh.ch/uploads/tx_frppublikationen/BFH_Frequenz_Juni-2017.pdf

Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (2015). Gesundheit in der Schweiz – Fokus chronische Erkrankungen. Nationaler Gesundheitsbericht 2015. Bern: Obsan.
Abrufbar unter http://www.obsan.admin.ch/de/publikationen/gesundheit-der-schweiz-fokus-chronische-erkrankungen

Bundesamt für Statistik (2016). ValeurS Gesundheit – Ein Informationsmagazin des Bundesamtes für Statistik – Ausgabe 1/2016. Abgerufen unter https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/magazin-valeurs.assetdetail.350225.html

Bundesamt für Gesundheit (2013). Die gesundheitspolitischen Prioritäten des Bundesrates. Bern: BAG. Abgerufen unter https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/strategien-politik/gesundheit-2020/eine-umfassende-strategie-fuer-das-gesundheitswesen.html

AUTOR/AUTORIN: Theresa Scherer

Theresa Scherer leitet die Bachelorprogramme in Pflege der Berner Fachhochschule, für deren Konzipierung und Umsetzung sie verantwortlich war. Als diplomierte Pflegefachfrau war sie viele Jahre im In- und Ausland tätig, insbesondere im Bereich der Intensivpflege. 2001 begann ihre Lehrtätigkeit an der Berufsschule für Pflege im damaligen Ausbildungszentrum Insel in Bern. Seit dem Abschluss des Studiums «Master of Medical Education» an der medizinischen Fakultät Bern (2005) gelten ihre Interessen der Curriculumsentwicklung und der interprofessioneller Lehre. In diesen Bereichen leitet sie zahlreiche Projekte und verfasste mehrere Publikationen. Sie ist Projektkoordinatorin des interprofessionellen Projekts «Curriculum 2020» des Fachbereichs Gesundheit. Im Weitern engagiert sich im Ausschuss Interprofessionelle Lehre der Gesellschaft für medizinische Ausbildung GMA.

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