Ein Blick in das Hochhaus der Zukunft

Science Tower der Smart City Graz: Das innovativste Gebäude Österreichs!

In Graz wurde am 21. September 2017 mit dem Science Tower ein Leuchtturmprojekt für die intelligente Stadt der Zukunft feierlich eröffnet. Österreichs erstes umgesetztes Smart City-Projekt ist zugleich ein Vorzeigebeispiel für umweltfreundliche und energieeffiziente Stadtentwicklung weltweit: Dank innovativer Energietechnologien versorgt sich der 60 Meter hohe Turm vollkommen selbst mit Energie. Das 16 Millionen Euro teure Vorhaben ist Teil der Smart City Graz, die durch den Klima- und Energiefonds mit 4,2 Millionen Euro gefördert worden ist.

Der weltweite Trend zu Urbanisierung findet auch in der steirischen Landeshauptstadt seinen Niederschlag: Laut Prognosen wird die Grazer Bevölkerung in weniger als 20 Jahren um über 22% wachsen. Diese Entwicklung erfordert zukunftsfähige, platz- und ressourcenschonende Antworten seitens der Stadtentwicklung. Das Projekt „Smart City Graz“ umfasst dabei ein ganzheitliches Stadtplanungskonzept, in dem intelligente Gebäude mit allen Einrichtungen des täglichen Bedarfs miteinander vernetzt sind. Energieeffiziente Wohnungen, Arbeitsplätze, Schulen, Nahversorger, ein Krankenhaus und öffentliche Parks sind fussläufig bzw. durch gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, Strassen und Radwege für Fahrräder, E-Bikes sowie wenige Elektroautos per Carsharing leicht erreichbar. Auf einem Gesamtareal von 130.000 m2 werden neue Wohnungen für bis zu 3.000 Personen sowie 1.000 Jobs entstehen.

Der Science Tower als „Living Lab”

Wenngleich dieses Gesamtkonzept erst 2023 Realität werden wird, so wurde unter der Bauherrschaft der Firma Science For Life Technologies (SFL), einem steirischen Technologieunternehmen mit Fokus auf Energie- und Umwelttechnologien, bereits das Herzstück der Smart City fertiggestellt: Der Science Tower erlangt als neues Wahrzeichen der Stadt im wahrsten Sinne des Wortes Sichtbarkeit.

Auf einer Gesamtfläche von 4.500 m2 ziehen nun Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus dem Bereich der Umwelttechnologie in das innovative Hochhaus ein. Innovatoren wie etwa die Joanneum Research Forschungsgesellschaft, die Technische Universität Graz, eine Aussenstelle der European Space Agency sowie verschiedene Start-Ups arbeiten hier an den grünen Innovationen von morgen.

Smart, energieautark & nachhaltig

Der Science Tower kann Umgebungsenergien wie Licht und Wind selbstständig in elektrische Energie umwandeln. So wird Energie autark produziert, gespeichert und je nach Bedarf abgegeben. Die Aussenfassade des Turms besteht aus einem matt schimmernden Energieglas mit eingebauten „Grätzel-Zellen“. Diese transparenten, rötlich braunen Glasscheiben können in einem Prozess, ähnlich der Photosynthese bei Pflanzen, selbst Energie erzeugen – auch bei Schlechtwetter und sogar bei Innenraumlicht. Das Energieglas ist damit dreimal so effizient im Schwachlichtbereich wie konventionelle Photovoltaik und kann als weltweit erstes, transparentes System Licht von beiden Seiten ernten und dezentral elektrische Energie bereitstellen. Der Science Tower ist bislang das einzige Gebäude weltweit, bei dem diese Technologie realisiert wurde.

Eingebettet in die Dachkonstruktion des Turms drehen sich nahezu lautlos spezielle Windturbinen. Diese geschlossenen Windräder erreichen höhere Drehgeschwindigkeiten als offene Bauformen. Unerwünschte Phänomene wie etwa Eiswurf oder der „Disco-Effekt“, den der Schatten von bewegten Rotorblättern verursacht, treten in dieser Konstruktion nicht auf.

In die Fassade integriert ist zudem ein fahrbarer Sonnenschutz, der gleichzeitig als Photovoltaikanlage fungiert. Die ultraleichten Module drehen sich automatisch mit der Sonne und umrunden innerhalb von 24 Stunden einmal den Turm. Die Anlage liefert optimalen Stromertrag, schattet die Büroräume ab und zeigt auch, gleich einer Sonnenuhr, die Tageszeit. So kann der Energiebedarf des Turmes zu 100% mit erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Mit intelligenten Technologien in die Zukunft

Nicht nur im Turm selbst, auch darunter verbergen sich smarte Lösungen: Eine unterirdische Geothermie-Anlage stellt ein konstantes Temperaturniveau im Gebäude sicher. Zwölf Bohrungen führen 200 Meter tief in die Erde. Damit wird dem Turm im Sommer Wärme entzogen und im Erdreich geparkt. Im Winter kann die Energie über Wärmepumpen wieder zurückgeholt werden.

Zur Belüftung des Turms öffnen sich in der Nacht, wenn die Temperatur sinkt, die Fenster automatisch. Mittels Auftrieb wird so der ganze Turm durchgelüftet und die effizienteste Form der Kühlung angewandt.

Shared Economy wird Realität

In der zukünftigen Smart City sind die Fahrzeuge elektrisch betrieben. Somit dient die selbst erzeugte Energie des Turms nicht nur für den Eigenverbrauch der MieterInnen, sondern auch als Stromquelle für die nähere Umgebung: Elektrofahrzeuge können direkt am und durch den Turm aufgeladen werden.

Die Einbindung der BewohnerInnen zur aktiven Mitgestaltung ihres Lebensraums in der Smart City zeigt sich auch in einem grünen Highlight „on the top“: Im 14. Stockwerk des Science Towers, auf Augenhöhe mit dem Grazer Uhrturm, ist ein Smart Urban Gardening-Bereich mit 300 m2 Nutzfläche angelegt. In diesem Dachgarten in 50 Metern Höhe werden Obst, Gemüse und Kräuter angebaut. Dank des speziellen Mikroklimas sollen hier auch Südfrüchte wie Bananen gedeihen.

In Graz entsteht mit Unterstützung des Klima- und Energiefonds also nicht nur ein technologisches, sondern auch ein soziales Pilotprojekt, welches zeigt, wie Sharing Economy in der Praxis funktionieren kann. Als Teil des vom Klima- und Energiefonds geförderten Leitprojektes „Smart City Graz“ dient der Science Tower als Leuchtturm für die Gestaltung einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Stadtentwicklung.

AUTOR/AUTORIN: Theresia Vogel

THERESIA VOGEL, Klima- und Energiefonds, Österreich
DI Theresia Vogel führt seit 15.3.2010 gemeinsam mit DI Ingmar Höbarth die Geschäfte des Klima- und Energiefonds. Zuvor leitete Theresia Vogel in der FFG den Bereich der Strukturprogramme, welcher mit einem Team von 40 ExpertInnen ein spezifisches Förderportfolio mit Fokus auf die Beseitigung struktureller Hemmnisse für industrielle Forschung und Technologieentwicklung anbietet. Frau DI Vogel studierte nach Abschluss der HTL Bauingenieurwesen an der TU Wien und schloss dort ihre Diplomprüfung ab. Unmittelbar nach ihrem Studium war sie als Universitätsassistentin an der TU Wien im Bereich Abfallwirtschaft und Stoffflussmanagement in Forschung und Lehre tätig. Ab 2000 war sie Leiterin des Wissenschaftsbereichs Umweltmanagement und Qualitätsmanagement an der Fachhochschule Wiener Neustadt am Standort Wieselburg und hat u.a. den Themenbereich „Nachhaltigkeit und Umweltmanagement“ aufgebaut und in diesem Themenfeld geforscht.

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