Open GLAM: der freie Zugang zum kulturellen Erbe – Ausgabe August 2017

Die physische und die digitale Welt werden zusammenwachsen. In ihnen gelten aber sehr verschiedene Handlungsmöglichkeiten. Die alte Frage von „Haben oder Nicht-Haben“ hat unterschiedliche Bedeutungen. Die kulturellen Traditionen für den Umgang mit den Objekten sind ebenso unterschiedlich, wie die technischen Möglichkeiten für das Behandeln der Objekte. Das gilt natürlich auch für Galerien, Büchereien, Archive und Museum. Kurz gesagt: für GLAM (GLAM = Galleries, Libraries, Archives and Museums).
Uns sollte bewusst sein: Der physische Besitz von Objekten garantiert nicht die digitale Verfügungshoheit. Die digitale Verfügungsgewalt kann Auswirkungen auf die physische haben, beispielsweise wenn Herkunftsevidenz geschaffen oder hinterfragt wird. Und die Unterscheidung zwischen echt und unecht ist im Digitalen mindestens so schwierig wie im Physischen. Dazu kommt: Der Wert von physischen Objekten wird mitbestimmt durch den Informationsraum, der sie umgibt, der auf sie referenziert und sie mit anderen Objekten und mit Wissen verbindet.

Deshalb ist es eine kritische Frage, wie die Governance des Informationsraums mit den digitalen Abbildern von Objekten aussehen soll, die kulturelle, historische und künstlerische Bedeutung haben. Wer soll was dürfen? Wer hat welche Ansprüche an staatliches Handeln – vom Schutz des Eigentums und der Nutzungsrechte bis zur Subvention? Wie werden die Spielregeln gestaltet, wo Bedeutung und Rechte über die Grenzen des nationalstaatlichen Kontexts hinausgehen?

Open GLAM ist eine grundsätzliche Strategie zur Gestaltung dieser Governance – eine Strategie, die dem (westlichen) Zeitgeist entspricht und viel Nutzen für sehr viele bringt.

Ich wünsche Ihnen viel Erkenntnisgewinn beim Lesen dieser Ausgabe und freue mich auf Kommentare zu den Beiträgen oder auch diesem Editorial, Ihr Reinhard Riedl

 

AUTOR/AUTORIN: Reinhard Riedl

Reinhard Riedl leitet das BFH-Zentrum Digital Society und gibt das Online-Magazin SocietyByte heraus. Er war Präsident der Schweizerischen Informatikgesellschaft sowie der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik Bern IGNM.

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