E-Health – vorwärts zum Wesentlichen

Worum geht es im E-Health? Die Orientierung ist schwierig, weil die Expertendiskussionen häufig nur am Rande etwas mit Gesundheit und Medizin zu tun haben. Um welche individuellen oder gesamtgesellschaftlichen Gesundheitsaspekte geht es? Welche Herausforderungen in der Medizin sollen mit E-Health bewältigt werden? Darüber wird wenig gesprochen.

Es wäre aber zu billig, diese schwer auszumachende Ausrichtung dem Gesundheitswesen anzulasten. Die Diskussion um Digitalisierung wird ganz generell von der Technik getrieben. Dabei geht es meist darum die Lösung bereits herzuzeigen, bevor die Probleme dafür gesucht werden. Grund ist, dass neue technische Lösungen oft so Unvorstellbares leisten, dass Fachexperten und -expertinnen über ihre Nutzung erst dann produktiv nachdenken können, wenn sie sie gesehen haben. Und auch dann erkennen meist nur die Kreativsten unter ihnen das ganze Potential. Tatsächlich werden die Vorzeigelösungen in der Regel ohne tieferes Verständnis des Anwendungsbereichs entwickelt. Das macht es nicht leichter ihr Potential zu erkennen.

In anderen Digitalisierungsbereichen als dem Gesundheitswesen ist das nicht anders. Auch sie stehen vor den immer gleichen Herausforderungen: Um das Innovationspotential vollständig auszuschöpfen, müssten Top-Informatiker mit Top-Fachpersonen aus dem Anwendungsbereich auf Augenhöhe zueinander finden und den Willen zur interdisziplinären Zusammenarbeit mitbringen. Idealerweise würde diese Zusammenarbeit noch diverse andere Fachpersonen, beispielsweise Mathematiker, einbeziehen. Das ist leider fast immer illusorisch, wenn auch von Anwendungsbereich zu Anwendungsbereich aus unterschiedlichen Gründen.

Trotzdem stimmt die Lage im E-Health zuversichtlich, da der Leistungsfortschritt in den Gesundheitsberufen durch eine gut gemachte Digitalisierung offensichtlich ist. Da können auch Beispiele schlecht gemachter Digitalisierung und das gebetsmühlenhafte betonen der Risiken wenig an der öffentlichen Wahrnehmung ändern.

In dieser Ausgabe von Societybyte geht es unter anderem darum, aufzuzeigen, wie vielfältig die Anwendungen sein können, wie zentral systemische Aspekte sind und welchen Nutzen der Einbezug der Nutzer ins Lösungsdesign bringt. Neben dem Potential werden dabei auch praktische Erfahrungen vorgestellt. Wir sind am Anfang einer langen Reise. Es braucht Leidenschaft, um sich ernsthaft auf den Weg zu machen: Leidenschaft für das Wesentliche – und das ist in diesem Fall die Förderung der Gesundheit jeder und jedes Einzelnen durch Technik. Ich wünsche diese Leidenschaft uns allen.

Herzlichst, Ihr Reinhard Riedl

AUTOR/AUTORIN: Reinhard Riedl

Reinhard Riedl leitet das BFH-Zentrum Digital Society und gibt das Online-Magazin SocietyByte heraus. Er ist Co-Leiter des Instituts Digital Enabling der BFH Wirtschaft und war Präsident der Schweizerischen Informatikgesellschaft sowie der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik Bern IGNM.

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