Zu einer neuen Fehlerkultur mit Linked Open Data

An der Veranstaltung eGov Fokus im Oktober 2016 wurden im Berner Rathaus Themen aus dem Bereich Linked Data breit diskutiert. Was sind die Konsequenzen der Digitalisierung? Wo steht die Schweiz in der Entwicklung von Linked Open Data und welcher Nutzen kann daraus gezogen werden? Dieser Beitrag versucht, einige dieser Fragen zu beleuchten.

Technische Innovationen, das Aufkommen des World Wide Web in seinen sukzessiven Ausprägungen (Web 1.0, Web 2.0, Web of Data) und die fortlaufende Ent-materialisierung von Informationsgütern treiben den digitalen Wandel an. Jedoch reicht die technische Innovation allein nicht aus, um den neuen Formen kollektiven Handelns zum Durchbruch zu verhelfen und das Nutzenpotential, das sie bergen, zur Entfaltung zu bringen. Gefragt sind neue Ansätze im Ressourcenmanagement und der Koordination kollektiven Handelns, ein neues Rollenverständnis, neue Kompetenzen und Fähigkeiten, die Aufgabe von Kontrolle, sowie neue Konstrukte hinsichtlich Eigentums- und Nutzungsrechten.

Networking am eGov Fokus 2/16

Die Ära der Digitalisierung und das Aufkommen von Linked Open Data bergen ein grosses Transformationspotential. Open Data sind offene, übers Web frei zugängliche Datenbestände, die von jedermann genutzt, bearbeitet und weiterverbreitet werden können. Dabei können die verschiedenen Nutzerinnen und Nutzer zur Datenqualität und zur Datenanreicherung beitragen, wobei im Idealfall – so das Versprechen von Linked Open Data – Datenbestände auf sinnvolle Art und Weise miteinander verknüpft werden, was zu mehr Innovation, erhöhter Transparenz und Kosteneinsparungen führt.

Wo steht die Schweiz in der Entwicklung von Linked Open Data? Und welchen Nutzen können wir aus Linked Open Data
konkret generieren?

Bereits heute werden in der Schweiz im Rahmen des Projekts LINDAS verschiedene Use Cases verfolgt, welche eine Verlinkung verschiedener Datenbestände anstreben. So publiziert Swisstopo beispielsweise georeferenzierte Adressen als Linked Data, während das Bundesamt für Statistik das historisierte Gemeindeverzeichnis und das Bundesamt für Umwelt diverse Umweltdaten über den Linked Data Service des Bundes bereitstellen.

Auch im Kulturbereich bringt die Digitalisierung grundlegende Veränderungen mit sich. Hier handelt die OpenGLAM-Arbeitsgruppe des Vereins opendata.ch als Vorreiterin und Treiberin des Kulturwandels unter den Gedächtnisinstitutionen („GLAM“ steht im Englischen für „Galleries, Librairies, Archives, and Museums“). Dazu gehört auch die schrittweise Einführung von Linked Open Data. Der Berg an Informationen, welcher hinter den Türen der kulturellen Gedächtnisinstitutionen schlummert, soll digitalisiert und zu Linked Open Data aufbereitet werden, damit auch die kulturellen Datenbestände intensiv genutzt, verknüpft und gleichzeitig verbessert werden können. So will man dem Veränderungspotential der Digitalisierung, welches momentan noch weitgehend brach liegt, zum Durchbruch verhelfen und die neuen Möglichkeiten in einen konkreten gesellschaftlichen Nutzen verwandeln. Um die sinnvolle Verknüpfung, die ansprechende Aufbereitung und die Vielfältige Nutzung der Daten zu fördern, führt OpenGLAM CH seit über zwei Jahren einen jährlichen Kulturhackathon durch. Der Anlass bringt Menschen mit verschiedenen Kompetenzen und aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen. Während mehreren Tagen arbeiten jeweils verschiedene Teams an offenen Datenbeständen aus dem Kulturbereich. Dabei kommen regelmässig neue Formen der Visualisierung, Verknüpfung und Erschliessung von Daten zustande.

Nicht nur das Innovationspotential von offenen Behörden- und Kulturdaten ist gross, sondern auch die damit verbundene Unsicherheit: Lohnt sich der finanzielle und zeitliche Aufwand? Welches ist der öffentliche und welches der private Nutzen, der daraus entsteht? Wer ist wofür zuständig? Wer soll für welche Leistungen bezahlen? Wie können Daten online gestellt und verlinkt werden, ohne dass dabei die Privatsphäre allzu sehr gefährdet wird? Die unterschiedliche Datenqualität und die unvollständige Datenerfassung, sowie die sich konstant ändernden Standards stellen im Hinblick auf die Verknüpfung von Daten aus allerlei Quellen eine weitere Herausforderung dar. Hinzu kommt als weitere Hürde der Umgang mit der Mehrsprachigkeit.


Diskussionen in den Themencafés während dem eGov Fokus 2/16

Linked Data in der Praxis
Auf der Suche nach Antworten und neuen Konstrukten zur verbesserten Datennutzung widmete das E-Government-Institut der Berner Fachhochschule die Veranstaltung eGov Fokus im Herbst 2016 ganz dem Thema „Linked Data in der Praxis“ (Impressionen der Veranstaltung). Verschiedene Referenten aus Holland und der Schweiz lieferten konzise Inputs zur Entwicklung von Linked Open Data im Web 2.0. In einer thematisch aufgegliederten Diskussionsrunde suchten Teilnehmende und Experten anschliessend gemeinsam nach Möglichkeiten, die anstehenden Herausforderungen anzupacken. Denn wo Herausforderungen sind, gibt es immer auch Chancen. Mit Blick in die Zukunft soll die Aufbereitung der Daten ausgeweitet und professionalisiert werden. Namentlich wird es darum gehen:

  • Guidelines und eine umfassende Dateninfrastruktur zu entwickeln, welche die Hürden für diejenigen reduzieren, die einen Beitrag zum „Web of Data“ leisten möchten:
  • ein verteiltes Identitäts- und Zugangsmanagement zu etablieren, um den Datenschutz zu gewährleisten und die Qualität besser gewährleisten zu können;
  • Nutzerfeedbacks zu generieren, um die Datenqualität zu steigern;
  • Fachwissen rund um Linked Open Data unter den potentiellen Nutzern und Anbietern von Daten zu fördern, um dadurch die Berührungsängste zu vermindern.

Daneben wird es aber auch darum gehen, eine neue Fehlerkultur zu entwickeln: Datennutzer müssen lernen, den bereitgestellten Daten mit einem gesunden Mass an Skepsis zu vertrauen, während Datenlieferanten die Bereitschaft entwickeln müssen, Daten frei zu geben, auch wenn sie noch nicht perfekt sind, und sie Dritten zur Nutzung und Anreicherung zu überlassen. Denn: Eine qualitative Verbesserung der Daten und eine Steigerung ihres gesellschaftlichen Nutzens wird sich am ehesten im Rahmen einer intensiven Nutzung der Daten ergeben.


Der nächste eGov Fokus findet am 23. Juni 2017 im Berner GenerationenHaus in Bern statt. Thema: Data Privacy in der digitalen Dienstleistungs-Gesellschaft
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AUTOR/AUTORIN: Beat Estermann

Beat Estermann ist stellvertretender Leiter des Instituts Public Sector Transformation der BFH Wirtschaft, wo er die Fachgruppe “Daten & Infrastruktur” koordiniert. Mit Fragen rund um Linked Open Data beschäftigt er sich seit mehreren Jahren im Rahmen von Forschungsprojekten und Beratungsmandaten im Auftrag von Behörden, Gedächtnis- und Kulturinstitutionen.

AUTOR/AUTORIN: Livia Schnyder

Studentische Mitarbeiterin, Kommunikation, Fachbereich Wirtschaft, Berner Fachhochschule

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