Das Ende des Projektmanagements

10 Argumente, wie es in Zukunft (vielleicht) doch weiter geht

Projekte erreichen selten ihr Ziel. Sie dauern zu lange, sprengen das Budget, bieten nicht die versprochene Qualität. Die neuen Führungskräfte haben sich vom Projektmanagement der alten Schule verabschiedet. Sie arbeiten schneller, vernetzter, mobiler, erfolgreicher. Und diese neue Generation an Führungskräften übernimmt das Steuer in den Unternehmen: Die Digital Natives.

Eines zeigt sich bereits ganz klar: Mit dem „bewährten“ Managementmodell von heute werden Unternehmen morgen verschwinden. Und: Digital Natives wollen produktiv sein anstatt beschäftigt. Dazu nutzen sie die technischen Möglichkeiten von heute und kommunizieren über unterschiedliche Wege. Um die richtigen und guten Mitarbeitenden der neuen Generation für Ihr Unternehmen zu begeistern, muss Ihr Unternehmen für diese attraktiv sein.

Wie wird heute erfolgreich Projektmanagement betrieben?

1. Flexible Arbeitszeiten ermöglichen
Unternehmen müssen die Voraussetzungen für Flexibilität schaffen. Flexibilität für Zeit und Raum.

Der mobile Zugriff auf Informationen einerseits und die mobile Erreichbarkeit über moderne Kommunikationsgeräte andererseits hebt die räumlichen und zeitlichen Grenzen zwischen der Privatwohnung („first place“), dem Büro („second place“) und den informellen, öffentlichen Räumen wie Cafés, Flughafenlobbys und Parks („third places“) auf. Es ist nicht mehr notwendig, für ein Telefongespräch mit dem Kunden morgens früh im Büro zu sitzen – die eigene Küche oder das Café um die Ecke sind genauso geeignet.

Das nimmt dem Arbeitsalltag die Hektik. Umgekehrt heißt das: Projektmitglieder kommunizieren zunehmend und wie selbstverständlich auch sehr früh am Morgen, spät am Abend oder am Wochenende. Prozesse werden so beschleunigt, weil niemand mehr auf irgendwelche Öffnungszeiten warten muss. Andererseits kann die neue Pausenlosigkeit auch Stress auslösen.

2. Vielfältiges Arbeitsumfeld schaffen
Um die Kommunikation unter den Teams zu verbessern, müssen entsprechende Räume geschaffen werden. Besprechungsräume, Büros usw. sollten alles andere als graue Bunker sein

Statt immer gleiche Prozesse in einem immer gleichen Büro routiniert abzuwickeln, kommt es heute darauf an, in komplexen und sich immer wieder verändernden Rahmenbedingungen und in wechselnden Teams Wissen weiterzuentwickeln und neue Ideen zu kreieren.

Einer Studie der Universität St.Gallen zufolge entstehen zum Beispiel nur zehn Prozent der Ideen in Meetings. Die meisten kommen in der Natur, zu Hause, auf Reisen, beim Sport. Und laut einer Untersuchung des Zukunftsinstituts sagen 94 Prozent der deutschen Arbeitnehmenden, sie bekämen die besten Ideen außerhalb des Büros. Kein Wunder also, dass Unternehmen versuchen, das „Außerhalb“ zu einem neuen „Innerhalb“ zu machen.

3. Transparenz – „sharing is caring“
Geheimniskrämerei ist sowas von retro.

Der Zugang zu Wissen als Machtbasis verliert seine Bedeutung. Wir erinnern uns: Noch vor rund zehn Jahren gab es in vielen Unternehmen die Politik, dass immer zuerst der Abteilungsleiter informiert wird, dann die Ressortleiter und im dritten Schritt, vielleicht, die Mitarbeitenden an der Basis. Die übliche Praxis bestand (und besteht vielerorts sicherlich auch noch) darin, wichtige Informationen möglichst gut zu horten, um sich damit strategische Vorteile zu verschaffen.

Unternehmen, die angesichts dieser Entwicklung immer noch mit selektiver Verteilung wichtiger Informationen arbeiten, sind heute schlicht und ergreifend zu langsam. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Open-Source-Kultur der Digital Natives auch in den internen Strukturen zu etablieren. Viele Unternehmen tun dies mit eigenen Wikis, Microblogs oder anderen Social Software Plattformen.

4. Verständnis und Akzeptanz für die neue Generation
Still und leise werden sie die Arbeitsweisen verändern – das hat bisher jede Generation gemacht.

Die Loyalität gegenüber Unternehmen sinkt. Da unterscheidet sich das mindset der Digital Natives ganz erheblich von dem der älteren Generation. Die neue Generation ist loyal zu ihrem Netzwerk und Freunden.

Schauen wir durch die optimistische Brille, zeichnet sich mit diesem Wandel eine insgesamt größere Werteorientierung ab – was, so zeigen wiederum andere Studien, einerseits zu einer größeren Zufriedenheit des Einzelnen führt, andererseits für das Unternehmen sogar auch zu besseren Ergebnissen. Unter Freunden, die gemeinsam an einem Thema arbeiten, zählt eben der Sinngehalt oder ethische Wert dieses Themas mehr als der monetäre Profit.

5. Führung – Erwählt statt Vor-gesetzt
Die neuen Führungskräfte werden anhand neuer Qualitäten erwählt.

Bestechung, Prügel, Sheriffstern und Geheimwissen gelten heute natürlich als keine korrekten Mittel der Führung mehr – dennoch sehe ich den Einsatz dieser Unterwerfungsmethoden auch heute noch in der Praxis. Kein Wunder: Die Methoden funktionieren weiterhin sehr gut.

Als erstrebenswert gelten heute das Charisma- und das Fachkompetenz-Modell. Führung heißt heute: „Ich bin Teil des Teams und das Team folgt mir freiwillig Kraft meiner fachlichen und persönlichen Autorität.“

Erzwungene Unterwerfung wird abgelöst durch freiwillige Kollaboration.

6. Führen mit Charisma und Selbstführung
Projekt-Teammitglieder folgen im Idealfall nicht mehr unfreiwillig durch den ausgeübten Druck, sondern freiwillig durch einen wirkungsvollen Sog.

Mit den aktuellen Herausforderungen direkt verbunden, sind die neuen Zivilisationskrankheiten wie Burnout, stressbedingte Ausfälle usw. zu verstehen. Wir können die chaotischen Rahmenbedingungen der Wirtschaft, in denen wir heute angekommen sind, eben nicht in die Knie zwingen, indem wir unsere eigene Performance mit immer mehr Apps messen und zu optimieren versuchen.

Ziele: Projektmanagement ist heute nicht mehr möglich, wenn eine Führungskraft versucht, den Weg zu einem Ziel detailliert vorzugeben. Deshalb gilt das Management by Objectives heute als besonders zielführend.

Selbstführung: Da sich die komplexen Rahmenbedingungen eines Projektes oft nicht mehr steuern lassen und Projektmitglieder ebenfalls weitgehend in die Selbstorganisation entlassen worden sind, bleibt Führungskräften kaum mehr übrig, als sich selbst zu führen. Einerseits ist dies eine sinnvolle Überlegung, weil die Fähigkeit zur Selbstführung ein wichtiges Merkmal einer reifen und damit führungsfähigen Persönlichkeit darstellt. Andererseits kann die Überbetonung der Selbstführung im Sinne einer Selbstoptimierung aber auch zur Überforderung führen.

Heute gelingt Führung, durch Führen via Charisma und überzeugender Kompetenz.

7. Klare Ziele haben und flexibel bleiben
Warum machen wir das Projekt wirklich? Was genau ist das Ziel?

Halten Sie fest, was Sie von einem Vorhaben erwarten und welche Änderungen Einfluss auf die Ziele nehmen. Sie sollten auch nach Monaten nachvollziehen können, wie es zum aktuellen Status gekommen ist. Und wer notiert, hat eindeutig die besseren Argumente – zB. bei Nachverhandlungen.

Auf der einen Seite muss klar sein, was vom Team erwartet wird und andererseits welche Ziele mit dem Projekt verfolgt werden. Was so klar und nachvollziehbar klingt, ist in der Praxis leider oft ganz schwierig. Projektauftraggeber wissen oft nicht, was sie wirklich wirklich wollen…

Und dennoch habe ich noch kein Projekt erlebt, welches ohne Änderungen beendet wurde. Diese Flexibilität ist die große Herausforderung in Zeiten, in der sich alles schneller ändert als früher.

8. Attraktiv werden – für Mitarbeitende und Kunden
Wir müssen den Tätigkeiten einen Sinn geben.

Im Gegensatz zu früher, als sich Arbeit-Suchende um viele Stellen bemühten, müssen heute Unternehmen attraktiv werden für die neue Generation. Nicht nur für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch für Kunden.

Und die junge Generation von heute, möchte in allem einen Sinn finden. Klären Sie also, „WARUM Sie tun was Sie tun!“

Die Frage nach dem Zweck der Existenz ist nicht nur für die junge Generation von Bedeutung – diese Frage hat allgemeine Gültigkeit.

Die Antworten auf die „Warum“-Frage können überraschend sein. Vielleicht auch emotional. Und mit Sicherheit werden Sie mit den Antworten viel einfacher Ihre Ziele erreichen. Zusätzlich wird es einfacher sein, Entscheidungen zu treffen.

9. Die neuen technischen Möglichkeiten nutzen
Die Veränderungskompetenz im Unternehmen entscheidet über Marktverlierer und Marktgewinner.

Der neue Lebensstil unterscheidet nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit / Work und Life. Was uns im privaten Bereich beschäftigt, hat Einfluss auf unsere Arbeit und umgekehrt.

Um das Leben einfacher zu gestalten, hat sich in den USA ein Begriff etabliert: Lifehacking. Mit einer Vielzahl an Hilfsmitteln und Apps soll die Arbeit erleichtert und die Performance erhöht werden. In den Projekten von heute wird zusehends auf solche Hilfsmittel zurückgegriffen. Informationen in Echtzeit teilen, Aufgaben verteilen und den Status der Projekte live abrufen können. Immer und überall. Auch die Dokumentation erfolgt über diese Art der Hilfsmittel.

10. Projekte wird es immer geben
Punkt.


 

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Mehr Informationen: www.ronaldhanisch.com

 

 

 

 

 

AUTOR/AUTORIN: Ronald Hanisch

Ronald Hanisch ist Team-Leader & Management Experte – früher im Spitzensport, heute im Top-Management. Er ist Autor, internationaler Management Berater und Vortragsredner.

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