Unsere Mission mit SocietyByte

SocietyByte ist die Online-Zeitschrift des BFH-Zentrums Digital Society. Sie strebt die Vernetzung von Wissen und Knowhow an, mit dem Ziel konkrete praktische Wirkung in der Gesellschaft zu erzielen.

Wahl des Namens
Unser Name SocietyByte ist Programm. Vordergründig liegt die Assoziation „Society Bites!“ nahe. Diese Assoziation ist aus Sicht von uns Wissenschaftern  eher ein unfreiwillig selbstironischer Nebeneffekt der Namensgebung. Denn wir alle wissen: Die Wissenschaft denkt, die Gesellschaft (oder Gott) lenkt … das ist eine echt traurige Realität, aber manchmal auch noch ein Glück. Die Assoziation „Society Bites!“ gibt aber hoffentlich auch allen jenen Hoffnung, denen vor den zukünftigen Taten der neuen Weltherrschenden im Silicon Valley graut. Der Versuch mit Problemlösungen die Welt zu beherrschen wird scheitern. Denn jede Macht korrumpiert bis die Menschen sich wehren, unabhängig von der Seite der Macht.

Uns geht es aber nur in zweiter Linie um die Relativierung des technologischen Fortschritts. In erster Linie geht es uns sehr wohl um dessen Förderung– hin zu einem Fortschritt, der dem Gemeinwohl dient! César Hidalgo vom MIT hat Personbyte als Begriff für die maximale Menge von Wissen und Knowhow eingeführt, die ein Mensch akkumulieren kann. Analog definiert er Firmbyte als die maximale Kompetenzkapazität eines Unternehmens. Ein Societybyte wäre demnach die maximal erreichbare Kompetenz unserer Gesellschaft.

Dabei stellen alle drei Begriffe keine fixen Grössen dar, sondern wandelbare Grössen: Technologischer, fachlicher und organisatorischer Fortschritt ermöglichen es nicht nur, spezifische Kompetenzen ganz konkret zu erwerben, sondern ganz grundsätzlich das Kompetenzpotential als Ganzes zu vergrössern. Dies gilt für Einzelpersonen (Personbytes), für Organisationen (Firmbytes), für den Staat (Governmentbyte?) und für die Gesellschaft (Societybyte). Wobei der technologische Fortschritt für vieles der Motor ist. Er hat auch entscheidenden Anteil am fachlichen und organisatorischen Fortschritt, denn er liefert neue fachliche Werkzeuge, er ermöglicht eine bessere interne und externe Vernetzung und eine effizientere und effektivere Zusammenarbeit.

Plattform und Werte
Unsere Online Zeitschrift SocietByte soll eine Plattform zur Vernetzung von Wissen und Knowhow bieten, damit das Societybyte wächst und konkrete Dividenden bringt. Wir stehen dazu, dass wir IT-Werkzeuge mögen und wir sehen Informationstechnologie als einen Enabler für die Weiterentwicklung unserer Fähigkeiten. Ein besonderes Anliegen ist uns die IT-basierte Weiterentwicklung der Fachdisziplinen und die Schaffung von Freiräumen bei der Gestaltung von Unternehmen und Staat.

Wir finden, dass die Vernetzung strategisch orientiert stattfinden muss, wenn sie dem Gemeinwohl wirklich nutzen soll. Deshalb werden wir uns darum bemühen, die Vernetzung auf unserer Plattform zielgerichtet zu gestalten. White Papers sind beispielsweise gut (und hier willkommen), aber selten gut genug, um zu konkreten Handlungen zu führen. Bildung ist beispielsweise immer irgendwie gut (und soll hier gefördert werden), aber nur dann nützlich, wenn sie Kompetenzen schafft, die Anwendung finden können. Diskurs ist beispielsweise auch total supergut (und wir stehen drauf), aber er bleibt Selbstbefriedigung, wenn er nicht Offenheit mit Umsetzungswillen verbindet.

Wir wollen mit SocietyByte mehr als das Übliche, wir wollen Wirkung erzielen. Wir laden darum alle Praktiker und Praktikerinnen ein, konkrete Probleme hier zu beschreiben inklusive der Kriterien, was eine gute Problemlösung ausmacht. Und wir laden alle Wissenschafter und Wissenschafterinnen ein, die eine Problemlösung ohne Problem entwickelt haben, hier nach dem Problem zu ihrer Problemlösung zu suchen. Denn die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass es keine richtige Ordnung gibt. Das Faszinierende und Begeisternde an der Vernetzung von Wissen und Know How ist, dass sie sich einzig an ihren Ergebnissen und an deren Wirkung misst.

Die anderen und wir
Bleibt noch zu erklären, wie ich es denn mit dem Silicon Valley halte. Hier spreche ich als Herausgeber, nicht als Vertreter des ganzen Teams. Ich finde viele Ideen aus dem Silicon Valley absolut richtig, wenn auch manche absurd religiös und bedrohlich erscheinen (z.B. jene, dass Gründer oft Sündenböcke sind). Ich finde aber jeden Versuch, bei uns eines zu schaffen, eine Ressourcenvergeudung. Nicht nur, dass dieses einzigartig ist, sondern wird in gefühlt hundert Staaten derzeit genau dieser Versuch unternommen, ein eigenes Silicon Valley zu bauen. Man sollte sich solcher Übungen enthalten und stattdessen versuchen, eine der in Zukunft entstehenden Industrien zu beherrschen – und zwar auf der Basis bereits vorhandener Kompetenzen und bereits vorhandener Umsetzungsmöglichkeiten. Nur in Bereichen, in denen das Societybyte bereits beträchtlich ist, macht es Sinn fokussiert zu investieren!

Was wir in Mitteleuropa aber trotzdem im Bereich der Nutzung der Informationstechnologie beitragen können, und wo wir konkurrenzlos sind (auch wenn Unternehmende des Silicon Valley mittlerweile sogar Shakespeare zitieren), ist die Vernetzung von Hochkultur und den Geisteswissenschaften mit  Natur-, Gesellschafts- und technischen Wissenschaften. Nicht weil wir das können – wir können das ganz und gar nicht! – aber weil wir gute Chancen haben, es besser zu können als der Rest der Welt!

AUTOR/AUTORIN: Reinhard Riedl

Reinhard Riedl leitet das BFH-Zentrum Digital Society und gibt das Online-Magazin SocietyByte heraus. Er ist Co-Leiter des Instituts Digital Enabling der BFH Wirtschaft und war Präsident der Schweizerischen Informatikgesellschaft sowie der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik Bern IGNM.

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